Ein betrachtlicher Teil der Weltgeschichte ist Weltkindergarten.
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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Thursday, 14 June 2007
Weltgeschichte
Ein betrachtlicher Teil der Weltgeschichte ist Weltkindergarten.
Das Buch eines Sechzehnjahrigen
Eines der Bucher, die ich als Sechzehnjahriger in Prum/Eifel las: Bruno Snells "Die Entdeckung des Geistes. Studien zur Entstehung des europaischen Denkens bei den Griechen". Dieses in Hamburg zwei Jahre vor meiner Geburt veroffentlichte Buch hat mich - meine Seele, mein Gehirn, meine Korperseele und meinen Seelenkorper - verandert: wenn auch vielleicht nur ein wenig mehr, als jedes gelesene Buch einen Menschen verandert. Es ware geradezu mystisch-kabbalistisch schon, wenn ein Mensch, der 2009 geboren wird, eines Tages sagen kann und schreiben wird, dass ihn ein Buch, das ich im Jahr 2007 veroffentlichen werde, verandert hat.
Posted by Gregor Brand
at 11:38 PM BST
Updated: Thursday, 14 June 2007 11:45 PM BST Permalink | Share This Post
Industrivialisierung
Die Industrivialisierung der Kultur scheint im Westen genauso so schnell Fortschritte zu machen wie im Industal. Wer bei solchen Fortschritten vorn liegt, hat keinen Grund, darauf besonders stolz zu sein, sondern macht vielmehr die gro?ten Ruckschritte.
Sunday, 10 June 2007
Gregor Samsa
Gregor Samsa ist weltberuhmt, obwohl er nichts anderes geleistet hat, als scheinbar ein Ungeziefer zu werden. Menschen, die fur Ungeziefer gehalten werden, haben gro?ere Chancen, beruhmt zu werden, auch wenn sie diese Prominenz weder wollen noch lange uberleben.
Posted by Gregor Brand
at 11:25 AM BST
Updated: Sunday, 10 June 2007 9:41 PM BST Permalink | Share This Post
Deutsch-chinesische Kultur
Es spricht fur den hohen Wert deutscher Kultur, dass sich Deutsche anscheinend fruher uber chinesische Kultur Gedanken gemacht haben als Chinesen uber deutsche. Sich fruher Gedanken zu machen, ist immer ein Zeichen hoherer Kultur.
Posted by Gregor Brand
at 11:22 AM BST
Updated: Sunday, 10 June 2007 9:43 PM BST Permalink | Share This Post
The most ingenious way
The most ingenious way of becoming foolish is by science, philosophy or religion.
Der bose Gott
Konnten schwer demenzkranke Menschen au?er durch ihr Leben auch noch mit Worten philosophieren, so wurden sie vielleicht ewige Wahrheiten verkunden - wie zum Beispiel die: Gott ist bose. Das wiederum wurde die Frage aufwerfen, ob die Erkenntnis, dass Gott bose ist, nicht eine demente Wahrheit ist.
Sunday, 3 June 2007
gott ist nicht weniger tetra- grammaton als hexagrammaton
Posted by Gregor Brand
at 10:59 PM BST
Updated: Monday, 4 June 2007 8:57 AM BST Permalink | Share This Post Friday, 1 June 2007
Nietzsche, kriminell
Nietzsche fiel zu Verbrechern nichts Besseres ein, als sie dafur zu kritisieren, dass sie nicht mit gutem Gewissen handeln.
Talmudisches Understatement
Der illustre talmudische Rabbi Akiva meinte, bei Gott sei alles wie bei uns - nur viel gro?er. Dieses "viel gro?er" ist wahrscheinlich die gro?te Untertreibung der Weltliteratur.
Nette Philosemiten und Antisemiten
Die nettesten Leute konnen Antisemiten sein. Allerdings erscheint mir die Wahrscheinlichkeit hoher, dass die Verkennung des Judentums bei netten Leuten sich eher als Philosemitismus manifestiert.
Rebellisches Alter
In amerikanischen Zeitschriften orthodoxer Juden kann man lesen, dass es mittlerweile ein beachtliches Problem orthodoxer Gemeinden ist, dass viele ihrer Kinder gegen das Hergebrachte rebellieren. Kann man ihre Eltern damit trosten, dass Rebellion eine notwendige Bedingung fur Veranderung ist? Nicht, wenn Veranderung nicht fur etwas Gutes gehalten wird. Doch auch, wer Wandel begru?t, muss nicht jedes jugendliche Rebellieren fur notwendig halten. Schlie?lich konnen auch Alte Wandel und Wechsel herbeifuhren und ich halte es sogar fur sicher, dass die gro?sten Veranderungen in der menschlichen Geschichte nicht von Jugendlichen, sondern von gar nicht mehr so jungen Erwachsenen herbeigefuhrt wurden. Das wiederum wurde, beilaufig bemerkt, bedeuten, dass die vielzitierte Jesus-Forderung, wie die Kinder zu werden, auch eine Aufforderung ware, nichts grundlegend verandern zu wollen.
Zum Begriff der Kultur
Unter Kultur sollte nicht jedes Erzeugnis von Menschen verstanden werden, sondern nur der hoherwertige Teil dessen, was Menschen schaffen. Kultur ware dann der gelungene Versuch der guten Kopfe, etwas hervorzubringen, was sie uberleben soll.
Gehirn und Verganglichkeit
Je besser ein Gehirn ist, desto bewusster ist ihm seine Verganglichkeit.
Sunday, 27 May 2007
Die Schonheit des Begreifens
Wozu die Welt begreifen wollen, wenn nicht, um sie schoner zu machen?
Seniorennachhilfelehrer
Wie ware es fur einen Nachhilfelehrer, alten und sehr alten Menschen Nachhilfe zu erteilen? Musste in ihm dann nicht im Hinblick auf seine greisen Schulerinnen und Schuler die Frage: "Wozu eigentlich noch?" ubermachtig sein? Nein - weil ein guter Padagoge wei?, dass ein Zuwachs an Wissen immer gut, fromm und schon ist, auch wenn diese Akkumulation von Wissen nur von recht uberschaubarem und begrenztem verwertbaren Wert ist.
Posted by Gregor Brand
at 12:10 AM BST
Updated: Sunday, 27 May 2007 12:15 AM BST Permalink | Share This Post Wer Gedichte verfasst, produziert Wirklichkeit. Wer Wirklichkeit schafft, ist wirklich. Wer im Mai schreibt, zeugt Mailichkeit. Wer Mailichkeit gebiert, ist mailich.
Posted by Gregor Brand
at 12:04 AM BST
Updated: Sunday, 27 May 2007 12:32 AM BST Permalink | Share This Post Saturday, 26 May 2007
Cassirer und die Ausnahmestellung der Lyrik
Ernst Cassirer notierte einmal: "In all den Kunsten des Wortes aber nimmt die Lyrik noch einmal eine Ausnahmestellung ein." Er begrundete dies vor allem auch damit, dass Lyrik "Gestalt" in "Gefuhl" auflose. Manches spricht dafur, dass der konservativ gro?burgerliche Cassirer Dichtung in gewisser Weise auch noch weit im 20. Jahrhundert zu einseitig und zu dichtungsfern quasi als Emotionserzeugungsmaschine ansah. Dabei war es schon dem von Cassirer zurecht hoch und beinahe religios verehrten Ubergro?meister J. W. Goethe keineswegs darum gegangen, Gestalt in Gefuhl aufzulosen, sondern darum: Gestalt und Gestalten sichtbar zu machen, das hei?t, um der cassirerschen Terminologie nahe zu bleiben: Gestalt in Bewusstsein aufzulosen. Was Cassirer hoch anzurechnen ist: Dass er Lyrik als Wortkunst versteht, woraus folgt: Wer mit Worter nicht kunstvoll umgehen kann, sollte nicht Lyriker genannt werden. Ginge es nach dem Hochkunstfreund Ernst Cassirer, dann ware "Lyriker" - wie es sich in der Tat gehort - allzeit eine Ehrenbezeichnung. Poetische Erganzung: Reduziererreducassirergedicht Wer Lyrik AUF DEN AUSDRUCK VON GEFUHLEN! reduzieren will, der, die, das reduziert sich selbst.
Posted by Gregor Brand
at 11:53 PM BST
Updated: Sunday, 3 June 2007 10:47 PM BST Permalink | Share This Post Sunday, 20 May 2007
Schlaf und Blut
Schlaf und Blut - zwei Lieblingsbegriffe von Emile Cioran. Seine pseudoheidnische Dammerung der Gedanken schwelgt in diesen Ausdrucken, die in nahezu vollkommener Weise geeignet sind, rote und schwarze archaische Emotionalitat beim Leser zu wecken. So, als habe Cioran als geschickter Psychologe gewusst und gespurt, was man tun muss, um tiefe Aufmerksamkeit zu erregen und nicht im Strom der Myriaden von Alltagswortern und Alltagsworten klaglos sich dem Orkus, hilflos treibend, zu nahern.
Posted by Gregor Brand
at 10:04 PM BST
Updated: Saturday, 26 May 2007 11:22 PM BST Permalink | Share This Post
Nietzsche und Ruskin
Im Jahr 1900 starben zwei der gro?ten Genies des 19. Jahrhunderts: Nietzsche und Ruskin. Beide waren in ihren letzten Lebensjahren geistig - wie man gemeinhin sagt - schwer erkrankt. Obwohl diese Erkrankungen des Gehirns moglicherweise genetische Ursachen hatten und keinesfalls als Folge des Denkens beider Manner hingestellt werden konnen, konnte man, in einem Anflug romantischer Verklarung und Wahrheitsschau zugleich, die Krankheiten dieser Gro?en als Ergebnis ihres krankes Jahrhunderts sehen. Zweifellos stehen Menschen, die in wichtigen Bereichen, allen ihren sonstigen gravierenden Irrtumern zum Trotz, den Wahnsinn nicht nur ihrer Zeit, sondern aller Zeiten, erfassen und begreifen, unter einem weit gro?eren psychischen und seelischen Druck als die Masse der erheblich weniger oder gar garnichts Begreifenden und es ist wahrlich nicht leicht, diesem Druck zeitlebens standzuhalten.
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