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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Sunday, 3 June 2007
Via negativa
gott ist nicht
weniger tetra-
grammaton als
hexagrammaton



Posted by Gregor Brand at 10:59 PM BST
Updated: Monday, 4 June 2007 8:57 AM BST
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Friday, 1 June 2007
Nietzsche, kriminell

Nietzsche fiel zu Verbrechern nichts Besseres ein, als sie dafur zu kritisieren, dass sie nicht mit gutem Gewissen handeln.

Posted by Gregor Brand at 11:59 PM BST
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Talmudisches Understatement

Der illustre talmudische Rabbi Akiva meinte, bei Gott sei alles wie bei uns - nur viel gro?er.

Dieses "viel gro?er" ist wahrscheinlich die gro?te Untertreibung der Weltliteratur.

Posted by Gregor Brand at 11:57 PM BST
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Nette Philosemiten und Antisemiten

Die nettesten Leute konnen Antisemiten sein. Allerdings erscheint mir die Wahrscheinlichkeit hoher, dass die Verkennung des Judentums bei netten Leuten sich eher als Philosemitismus manifestiert.

Posted by Gregor Brand at 11:54 PM BST
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Rebellisches Alter

In amerikanischen Zeitschriften orthodoxer Juden kann man lesen, dass es mittlerweile ein beachtliches Problem orthodoxer Gemeinden ist, dass viele ihrer Kinder gegen das Hergebrachte rebellieren. Kann man ihre Eltern damit trosten, dass Rebellion eine notwendige Bedingung fur Veranderung ist? Nicht, wenn Veranderung nicht fur etwas Gutes gehalten wird. Doch auch, wer Wandel begru?t, muss nicht jedes jugendliche Rebellieren fur notwendig halten. Schlie?lich konnen auch Alte Wandel und Wechsel herbeifuhren und ich halte es sogar fur sicher, dass die gro?sten Veranderungen in der menschlichen Geschichte nicht von Jugendlichen, sondern von gar nicht mehr so jungen Erwachsenen herbeigefuhrt wurden. Das wiederum wurde, beilaufig bemerkt, bedeuten, dass die vielzitierte Jesus-Forderung, wie die Kinder zu werden, auch eine Aufforderung ware, nichts grundlegend verandern zu wollen.

Posted by Gregor Brand at 11:51 PM BST
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Zum Begriff der Kultur

Unter Kultur sollte nicht jedes Erzeugnis von Menschen verstanden werden, sondern nur der hoherwertige Teil dessen, was Menschen schaffen. Kultur ware dann der gelungene Versuch der guten Kopfe, etwas hervorzubringen, was sie uberleben soll.

Posted by Gregor Brand at 11:41 PM BST
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Gehirn und Verganglichkeit

Je besser ein Gehirn ist, desto bewusster ist ihm seine Verganglichkeit.

Posted by Gregor Brand at 11:38 PM BST
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Sunday, 27 May 2007
Die Schonheit des Begreifens

Wozu die Welt begreifen wollen, wenn nicht, um sie schoner zu machen?

Posted by Gregor Brand at 12:35 AM BST
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Seniorennachhilfelehrer

Wie ware es fur einen Nachhilfelehrer, alten und sehr alten Menschen Nachhilfe zu erteilen? Musste in ihm dann nicht im Hinblick auf seine greisen Schulerinnen und Schuler die Frage: "Wozu eigentlich noch?" ubermachtig sein? Nein - weil ein guter Padagoge wei?, dass ein Zuwachs an Wissen immer gut, fromm und schon ist, auch wenn diese Akkumulation von Wissen nur von recht uberschaubarem und begrenztem verwertbaren Wert ist.

Posted by Gregor Brand at 12:10 AM BST
Updated: Sunday, 27 May 2007 12:15 AM BST
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Maigedicht
Wer Gedichte verfasst, produziert Wirklichkeit.
Wer Wirklichkeit schafft, ist wirklich.
Wer im Mai schreibt, zeugt Mailichkeit.
Wer Mailichkeit gebiert, ist mailich.





Posted by Gregor Brand at 12:04 AM BST
Updated: Sunday, 27 May 2007 12:32 AM BST
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Saturday, 26 May 2007
Cassirer und die Ausnahmestellung der Lyrik
Ernst Cassirer notierte einmal: "In all den Kunsten des Wortes aber nimmt die Lyrik noch einmal eine Ausnahmestellung ein." Er begrundete dies vor allem auch damit, dass Lyrik "Gestalt" in "Gefuhl" auflose. Manches spricht dafur, dass der konservativ gro?burgerliche Cassirer Dichtung in gewisser Weise auch noch weit im 20. Jahrhundert zu einseitig und zu dichtungsfern quasi als Emotionserzeugungsmaschine ansah. Dabei war es schon dem von Cassirer zurecht hoch und beinahe religios verehrten Ubergro?meister J. W. Goethe keineswegs darum gegangen, Gestalt in Gefuhl aufzulosen, sondern darum: Gestalt und Gestalten sichtbar zu machen, das hei?t, um der cassirerschen Terminologie nahe zu bleiben: Gestalt in Bewusstsein aufzulosen.

Was Cassirer hoch anzurechnen ist: Dass er Lyrik als Wortkunst versteht, woraus folgt: Wer mit Worter nicht kunstvoll umgehen kann, sollte nicht Lyriker genannt werden. Ginge es nach dem Hochkunstfreund Ernst Cassirer, dann ware "Lyriker" - wie es sich in der Tat gehort - allzeit eine Ehrenbezeichnung.

Poetische Erganzung:



Reduziererreducassirergedicht

Wer Lyrik
AUF DEN AUSDRUCK VON GEFUHLEN!
reduzieren will,
der, die, das

reduziert sich
selbst.





Posted by Gregor Brand at 11:53 PM BST
Updated: Sunday, 3 June 2007 10:47 PM BST
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Sunday, 20 May 2007
Schlaf und Blut
Schlaf und Blut - zwei Lieblingsbegriffe von Emile Cioran. Seine pseudoheidnische Dammerung der Gedanken schwelgt in diesen Ausdrucken, die in nahezu vollkommener Weise geeignet sind, rote und schwarze archaische Emotionalitat beim Leser zu wecken. So, als habe Cioran als geschickter Psychologe gewusst und gespurt, was man tun muss, um tiefe Aufmerksamkeit zu erregen und nicht im Strom der Myriaden von Alltagswortern und Alltagsworten klaglos sich dem Orkus, hilflos treibend, zu nahern.

Posted by Gregor Brand at 10:04 PM BST
Updated: Saturday, 26 May 2007 11:22 PM BST
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Nietzsche und Ruskin

Im Jahr 1900 starben zwei der gro?ten Genies des 19. Jahrhunderts: Nietzsche und Ruskin. Beide waren in ihren letzten Lebensjahren geistig - wie man gemeinhin sagt - schwer erkrankt. Obwohl diese Erkrankungen des Gehirns moglicherweise genetische Ursachen hatten und keinesfalls als Folge des Denkens beider Manner hingestellt werden konnen, konnte man, in einem Anflug romantischer Verklarung
und Wahrheitsschau zugleich, die Krankheiten dieser
Gro?en als Ergebnis ihres krankes Jahrhunderts sehen. Zweifellos stehen Menschen, die in wichtigen Bereichen, allen ihren sonstigen gravierenden Irrtumern zum Trotz, den Wahnsinn nicht nur ihrer Zeit, sondern aller Zeiten, erfassen und begreifen, unter einem weit gro?eren psychischen und seelischen Druck als die Masse der erheblich weniger oder gar garnichts Begreifenden und es ist wahrlich nicht leicht, diesem Druck zeitlebens standzuhalten.

Posted by Gregor Brand at 9:55 PM BST
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Nachbeben

Nicht nur der Mensch:
Selbst jedes gesunde
Erdbeben will mehr
als einmal
leben.


Posted by Gregor Brand at 6:28 PM BST
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Polyhistor
Keiner kennt mehr Fragen, auf die er keine uberzeugende Antwort wei?, als der Polyhistor.

Posted by Gregor Brand at 12:39 AM BST
Updated: Sunday, 20 May 2007 6:23 PM BST
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Unglaubwurdige Wahrheiten

Von der Bemerkung des polygenialen Herder, er sei kein Dichter, ist so viel zu halten wie von dem Selbstbekenntnis von Karl Marx, er sei kein Marxist.

Posted by Gregor Brand at 12:32 AM BST
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Die Einsamkeit gro?er Deutscher

"Wie so viele Gro?e der deutschen Geschichte reifte er in einer ihn oft bedruckenden Einsamkeit", schrieb H. Ullmann 1935, vielleicht nicht ohne politische Hintergedanken, uber den beruhmten Reformer Heinrich vom und zum Stein. Bedeutet dies, dass Gro?e heute seltener und sparlicher reifen konnen, weil die Welt in gewisser Weise kleiner und damit uneinsamer geworden ist? In Deutschland scheint mir jedenfalls die Einsamkeit eher zuzunehmen - aber vielleicht ist dies auch nur eine trugerische Hoffnung auf wieder reichlichere Gro?e.

Posted by Gregor Brand at 12:18 AM BST
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Islam und Aristoteles

Der gro?e und christliche franzosische Philosoph Etienne Gilson machte auf Folgendes aufmerksam:
"In the twelfth century after Christ, Averroes, himself an Arab established in Spain, happened to read the works of Aristotle, and he thought that, on the whole and almost in every detail, Aristotle was right."

Wie ware die Geschichte weitergegangen, wenn die Mehrheit der Moslems dem illustren Averroes, einem der intelligentesten aus ihren Reihen, bei dieser Aristoteleseinschatzung und Aristotelesbewunderung gefolgt ware? Vielleicht hatten Nichtmoslems fortan weniger Probleme mit den Glaubigen gehabt und vielleicht gabe es im 21. Jahrhundert weniger islamistischen Terror. Aber wurde dies es rechtfertigen, Aristoteles nahezu in allem zu folgen, wo er doch nicht in allem recht hat?

Posted by Gregor Brand at 12:04 AM BST
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Thursday, 17 May 2007
Goethes Wortschatz
In Goethes gottlichem WORTSCHATZ
sind die Worter: "Flieder,
flennen, Florett, Flunder"
weder zu finden noch
zu eruieren.

Meinem modesten Wortschatz wird das
- welch Wunder! - wahrscheinlich
nie passieren.


Posted by Gregor Brand at 11:30 PM BST
Updated: Thursday, 17 May 2007 11:49 PM BST
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Universalaphorismen

Wenn es Universalschauspiele und Universalpoesie gibt, dann gibt es auch Universalaphorismen. Und es gibt unbeleuchtete Stra?en und Gassen, auf denen man mit Universalaphorismen besser fahren kann als mit Universalreifen.

Posted by Gregor Brand at 11:11 PM BST
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