Wozu die Welt begreifen wollen, wenn nicht, um sie schoner zu machen?
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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Sunday, 27 May 2007
Die Schonheit des Begreifens
Wozu die Welt begreifen wollen, wenn nicht, um sie schoner zu machen?
Seniorennachhilfelehrer
Wie ware es fur einen Nachhilfelehrer, alten und sehr alten Menschen Nachhilfe zu erteilen? Musste in ihm dann nicht im Hinblick auf seine greisen Schulerinnen und Schuler die Frage: "Wozu eigentlich noch?" ubermachtig sein? Nein - weil ein guter Padagoge wei?, dass ein Zuwachs an Wissen immer gut, fromm und schon ist, auch wenn diese Akkumulation von Wissen nur von recht uberschaubarem und begrenztem verwertbaren Wert ist.
Posted by Gregor Brand
at 12:10 AM BST
Updated: Sunday, 27 May 2007 12:15 AM BST Permalink | Share This Post Wer Gedichte verfasst, produziert Wirklichkeit. Wer Wirklichkeit schafft, ist wirklich. Wer im Mai schreibt, zeugt Mailichkeit. Wer Mailichkeit gebiert, ist mailich.
Posted by Gregor Brand
at 12:04 AM BST
Updated: Sunday, 27 May 2007 12:32 AM BST Permalink | Share This Post Saturday, 26 May 2007
Cassirer und die Ausnahmestellung der Lyrik
Ernst Cassirer notierte einmal: "In all den Kunsten des Wortes aber nimmt die Lyrik noch einmal eine Ausnahmestellung ein." Er begrundete dies vor allem auch damit, dass Lyrik "Gestalt" in "Gefuhl" auflose. Manches spricht dafur, dass der konservativ gro?burgerliche Cassirer Dichtung in gewisser Weise auch noch weit im 20. Jahrhundert zu einseitig und zu dichtungsfern quasi als Emotionserzeugungsmaschine ansah. Dabei war es schon dem von Cassirer zurecht hoch und beinahe religios verehrten Ubergro?meister J. W. Goethe keineswegs darum gegangen, Gestalt in Gefuhl aufzulosen, sondern darum: Gestalt und Gestalten sichtbar zu machen, das hei?t, um der cassirerschen Terminologie nahe zu bleiben: Gestalt in Bewusstsein aufzulosen. Was Cassirer hoch anzurechnen ist: Dass er Lyrik als Wortkunst versteht, woraus folgt: Wer mit Worter nicht kunstvoll umgehen kann, sollte nicht Lyriker genannt werden. Ginge es nach dem Hochkunstfreund Ernst Cassirer, dann ware "Lyriker" - wie es sich in der Tat gehort - allzeit eine Ehrenbezeichnung. Poetische Erganzung: Reduziererreducassirergedicht Wer Lyrik AUF DEN AUSDRUCK VON GEFUHLEN! reduzieren will, der, die, das reduziert sich selbst.
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at 11:53 PM BST
Updated: Sunday, 3 June 2007 10:47 PM BST Permalink | Share This Post Sunday, 20 May 2007
Schlaf und Blut
Schlaf und Blut - zwei Lieblingsbegriffe von Emile Cioran. Seine pseudoheidnische Dammerung der Gedanken schwelgt in diesen Ausdrucken, die in nahezu vollkommener Weise geeignet sind, rote und schwarze archaische Emotionalitat beim Leser zu wecken. So, als habe Cioran als geschickter Psychologe gewusst und gespurt, was man tun muss, um tiefe Aufmerksamkeit zu erregen und nicht im Strom der Myriaden von Alltagswortern und Alltagsworten klaglos sich dem Orkus, hilflos treibend, zu nahern.
Posted by Gregor Brand
at 10:04 PM BST
Updated: Saturday, 26 May 2007 11:22 PM BST Permalink | Share This Post
Nietzsche und Ruskin
Im Jahr 1900 starben zwei der gro?ten Genies des 19. Jahrhunderts: Nietzsche und Ruskin. Beide waren in ihren letzten Lebensjahren geistig - wie man gemeinhin sagt - schwer erkrankt. Obwohl diese Erkrankungen des Gehirns moglicherweise genetische Ursachen hatten und keinesfalls als Folge des Denkens beider Manner hingestellt werden konnen, konnte man, in einem Anflug romantischer Verklarung und Wahrheitsschau zugleich, die Krankheiten dieser Gro?en als Ergebnis ihres krankes Jahrhunderts sehen. Zweifellos stehen Menschen, die in wichtigen Bereichen, allen ihren sonstigen gravierenden Irrtumern zum Trotz, den Wahnsinn nicht nur ihrer Zeit, sondern aller Zeiten, erfassen und begreifen, unter einem weit gro?eren psychischen und seelischen Druck als die Masse der erheblich weniger oder gar garnichts Begreifenden und es ist wahrlich nicht leicht, diesem Druck zeitlebens standzuhalten.
Nicht nur der Mensch: Selbst jedes gesunde Erdbeben will mehr als einmal leben.
Polyhistor
Keiner kennt mehr Fragen, auf die er keine uberzeugende Antwort wei?, als der Polyhistor.
Posted by Gregor Brand
at 12:39 AM BST
Updated: Sunday, 20 May 2007 6:23 PM BST Permalink | Share This Post
Unglaubwurdige Wahrheiten
Von der Bemerkung des polygenialen Herder, er sei kein Dichter, ist so viel zu halten wie von dem Selbstbekenntnis von Karl Marx, er sei kein Marxist.
Die Einsamkeit gro?er Deutscher
"Wie so viele Gro?e der deutschen Geschichte reifte er in einer ihn oft bedruckenden Einsamkeit", schrieb H. Ullmann 1935, vielleicht nicht ohne politische Hintergedanken, uber den beruhmten Reformer Heinrich vom und zum Stein. Bedeutet dies, dass Gro?e heute seltener und sparlicher reifen konnen, weil die Welt in gewisser Weise kleiner und damit uneinsamer geworden ist? In Deutschland scheint mir jedenfalls die Einsamkeit eher zuzunehmen - aber vielleicht ist dies auch nur eine trugerische Hoffnung auf wieder reichlichere Gro?e.
Islam und Aristoteles
Der gro?e und christliche franzosische Philosoph Etienne Gilson machte auf Folgendes aufmerksam: "In the twelfth century after Christ, Averroes, himself an Arab established in Spain, happened to read the works of Aristotle, and he thought that, on the whole and almost in every detail, Aristotle was right." Wie ware die Geschichte weitergegangen, wenn die Mehrheit der Moslems dem illustren Averroes, einem der intelligentesten aus ihren Reihen, bei dieser Aristoteleseinschatzung und Aristotelesbewunderung gefolgt ware? Vielleicht hatten Nichtmoslems fortan weniger Probleme mit den Glaubigen gehabt und vielleicht gabe es im 21. Jahrhundert weniger islamistischen Terror. Aber wurde dies es rechtfertigen, Aristoteles nahezu in allem zu folgen, wo er doch nicht in allem recht hat?
Thursday, 17 May 2007
Goethes Wortschatz
In Goethes gottlichem WORTSCHATZ sind die Worter: "Flieder, flennen, Florett, Flunder" weder zu finden noch zu eruieren. Meinem modesten Wortschatz wird das - welch Wunder! - wahrscheinlich nie passieren.
Posted by Gregor Brand
at 11:30 PM BST
Updated: Thursday, 17 May 2007 11:49 PM BST Permalink | Share This Post
Universalaphorismen
Wenn es Universalschauspiele und Universalpoesie gibt, dann gibt es auch Universalaphorismen. Und es gibt unbeleuchtete Stra?en und Gassen, auf denen man mit Universalaphorismen besser fahren kann als mit Universalreifen.
Heldengedanken
Vielen ruhmvollen abendlandischen Helden ware es wahrscheinlich lieber gewesen, wenn es statt noch so kunstvoller skaldischer und homerischer Heldengesange und Heldengedichte zu ihren Ehren gleich und ohne Verzogerung Alkohol gegeben hatte.
Materialisme demoniaque
Satan, angeblich schonster aller Engel, ist doch nur ein roter fiktiver Bengel.
Kopfgefuhle, Bauchgefuhle
Fur mich waren Kopfgefuhle noch nie unwichtiger als Bauchgefuhle.
Depression und Intelligenz
In jedem intelligenten Menschen, der sich niemandem in nichts uberlegen fuhlt, nagt nicht lobenswerte Bescheidenheit, sondern beklagenswerte Depressivitat.
Roman und Aphorismus
Jedem Roman liegt eine aphoristische Zentralmonade zugrunde.
Mathematik und Madchen
Der Bergwerksfachmann und ewig jung bleibende Fruhromantiker Novalis (1772 - 1801) war, was die gleichsam religiose Verehrung der Mathematik angeht, maximaler Idolator. Hat er, der geniale Dichter- und Aphoristikerphilosoph, uberhaupt etwas hoher verehrt als die Mathematik? Vielleicht sehr junge Madchen - wie seine Verlobte Sophie von Kuhn. Aber daruber hat er sich letztlich nicht so deutlich ausgesprochen. Es gibt deutsche Schulerinnen, die im transromantischen 21. Jahrhundert beweisen, dass man auch ohne Liebe zur Mathematik sehr adorabel sein kann: Ein vollig uberzeugender mathematischer Beweis sui generis.
Posted by Gregor Brand
at 10:36 PM BST
Updated: Monday, 21 May 2007 11:21 PM BST Permalink | Share This Post Sunday, 13 May 2007
Das totende Wort
Dass "Blitz" nur ein Wort oder ein Begriff ist, versehen mit allen Unzulanglichkeiten und Mangeln, die Worten und Begriffen anhaften und auf die nicht nur Nietzsche hinwies, ist dann nicht mehr so wichtig, wenn man von einem solchen Blitz erschlagen wurde.
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