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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Tuesday, 6 March 2007
Timons Intelligenz

Timon von Athen, der beruhmte Menschenfeind, war vermutlich ein Mensch, der an Intelligenz die allermeisten seiner Zeitgenossen deutlich uberragte. Aber selbst wenn er ein Genie gewesen ware: Es ist kein Zeichen von Weisheit, die Menschen zu hassen. Noch weniger ist es allerdings ein Zeichen von Weisheit, die Menschen generell zu lieben.


Posted by Gregor Brand at 9:31 AM GMT
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Monday, 5 March 2007
Ruhland, Kapitalismus und Christentum

Schon der heute weitgehend vergessene Nationalokonom Gustav Ruhland hatte darauf hingewiesen, dass der Kapitalismus keine christliche Erfindung ist und dass das Christentum sowohl mit diesem Kapitalismus als auch ohne ihn existieren kann. Ruhland betonte, dass es Kapitalismus immer wieder geben wird, aber auch, dass kapitalistische Gesellschaften immer wieder aufgrund ihrer inharenten Fehler untergehen werden - um dann in anderer Form wieder aufzuerstehen.

Posted by Gregor Brand at 7:18 PM GMT
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Sunday, 4 March 2007
Gott als coincidentia oppositorum


Wenn, wie Heraklit schrieb, Gott Tag ist und zugleich Nacht, Sommer und Winter, Krieg und Frieden ... - dann ist er auch - horribile, sed vere dictu - Adolf Hitler und Leo Baeck.

Gott als Zusammenfall aller Gegensatze, wie mein mosellandischer Landsmann Cusanus, nicht unbeeinflusst von judischem Denken, dachte, ist demnach auch die Koinzidenz von KZ und Synagoge.

Was hat man von einer solchen Erkenntnis gewonnen? Wenn in Gott alle Katzen, ob bei Tag oder Nacht,
grau sind, dann ahnt man, dass von einer solchen Gottesvorstellung fur die Erkenntnis der realen Welt nicht wirklich etwas zu gewinnen und zu erwarten ist.

Posted by Gregor Brand at 7:32 PM GMT
Updated: Sunday, 4 March 2007 7:57 PM GMT
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Saturday, 3 March 2007
Bilderverbote

Kein Prophet und kein Theologe hat sich jemals fur Bilderverbote ausgesprochen, der Bilder nur als schon und begluckend erlebt hat. Bilderverbote sind immer auch ein Ausdruck von Hedonismus.

Posted by Gregor Brand at 11:05 AM GMT
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Gott oder Bier

Gott oder Bier - es ist doch klar, was Deutsche eher aufgeben wurden beziehungsweise, was sie schon eher aufgegeben haben.

Posted by Gregor Brand at 10:54 AM GMT
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Affektbucher
Ich wei? im Moment zwei Bucher, die in ihrem ersten Satz das Wort "Affekt" enthalten: Carl Schmitts 1923 erstmals veroffentlichtes Werk uber "Romischer Katholizismus und politische Form" und Ernst Cassirers 1942 erstmals publizierte Studien "Zur Logik der Kulturwissenschaften". Schmitt machte die zutreffende, aber im Grunde banale Feststellung: "Es gibt einen anti-romischen Affekt."
Das hinterhaltig-brillante an diesem Eroffnungssatz ist naturlich die unmittelbar damit einhergehende Diskreditierung jeder Kritik an der katholischen Kirche als antirational und blo? emotional. Schmitt suggeriert damit, dass derjenige, der die romische Kirche kritisiert, affektgeleitet - also gefuhlsbetont - handelt - und damit intellektuell nicht oder zumindest weniger ernstzunehmen ist.

Wenn der hochkultivierte und vielwissende Cassirer demgegenuber, moglicherweise im geheimen Hinblick auf den damals intellktuell hoch gegenwartigen Carl Schmitt, feststellt: "Platon hat gesagt, da? das Staunen der eigentlich philosophische Affekt sei, und da? wir in ihm die Wurzel alles Philosophierens zu sehen haben", so kommt in diesem Satz eine vollig kontrare Auffassung des Affekts zum Ausdruck - namlich eine sehr positive:
Wenn ein Philosoph wie Platon einen Affekt als Wurzel des Philosophierens ansieht, so kann Affekt wahrlich nicht immer etwas Schlechtes sein.

Verbindet man die Gedankengange von Schmitt und Cassirer, so konnte man dazu kommen, den antiromischen - also antikatholischen - Affekt als etwas Positives anzusehen: Wer sich uber den Erfolg des katholischen Rom wundert, hat zumindest angefangen, zu philosophieren.

Posted by Gregor Brand at 12:35 AM GMT
Updated: Saturday, 3 March 2007 12:38 AM GMT
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Friday, 2 March 2007
Dementieren

Anders als Cioran: Man sollte nicht den Wert des Lebens solange dementieren, bis man tatsachlich dement wird.

Posted by Gregor Brand at 9:44 AM GMT
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Unpazifisch

Die Sprache ist ein Ozean, wenn auch nicht immer ein friedlicher.

Posted by Gregor Brand at 9:30 AM GMT
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Die optimistische Religion

Allen Katastrophen zum Trotz bleibt das Judentum lebensbejahwend.

Posted by Gregor Brand at 9:30 AM GMT
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Sokrates als Christ

Noch Lichtenberg glaubte, Sokrates ware gewiss auch ein sehr guter Christ geworden. Mir erscheint das zweifelhaft bei einem derart aufs kluge Fragen, Nachdenken und Prufen angelegten Menschen. Vielleicht ware Sokrates, konservativ wie er im Grunde war, Christ geblieben, wenn er als solcher erzogen worden ware, aber er hatte sicherlich wenig Veranlassung gesehen, seine Gotter und sein Daimonion zu leugnen und zum Christentum zu konvertieren.

Posted by Gregor Brand at 9:23 AM GMT
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Thursday, 22 February 2007
Enough letters

There are enough letters in the world to think everything and to write everything.

Posted by Gregor Brand at 10:33 AM GMT
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Windhauch

Der Gedanke, dass der Mensch und sein Leben fluchtig ist wie ein Windhauch, ist nicht nur ein Bild alttestamentarischer Weisheitslehre, sondern auch eine Metapher des Stoikers Marc Aurel, der in einer Reflexion und Meditation (X. Buch, Nr. 34) die Menschen mit Blattern und Blattchen vergleicht, die der Wind auf der Erde verstreut.

So ist nun aber nicht nur der biblische, sondern auch der stoische Windhauchgedanke Bezugspunkt meines 1985 veroffentlichten Gedichts "Windhauch", in dem ich dieser Sicht eine andere gegenuberstelle.

Posted by Gregor Brand at 10:23 AM GMT
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Der arme Hermann Broch

Immer noch ist das Vorurteil weit verbreitet, Juden seien reich oder zumindest wohlhabend. Statt Statistiken an dieser Stelle ein Gegenbeispiel: Der gro?e Schriftsteller Hermann Broch (1886 - 1951). Uber ihn schreibt sein Biograph Manfred Durzak: "Schon Ende 1948 hatte sich Brochs finanzielle Situation wieder katastrophal zugespitzt ..." und er zitiert Brochs Satz: "Ich habe nicht mehr die Zeit, um mir den Luxus des Geldverdienens zu erlauben."

Viele Dichter und Denker haben das durchgangige Bewusstsein, dass sie sich den Luxus des Geldverdienens nicht erlauben konnen. Es ware mehr als unangebracht von der Gesellschaft, wenn sie sie deswegen tadeln wollte, zumal diese Unlust zum Geldverdienen in solchen Fallen einhergeht mit dem gro?en Willen zum Arbeiten und Produzieren. So war es auch bei Hermann Broch: "Sein Arbeitsprogramm nahm nicht zu bewaltigende Ausma?e an ...", notiert Durzak. Personlichkeiten wie Broch demonstrieren auf hochstem intellektuellem Niveau, dass Arbeiten und Geldverdienen zwei vollig unterschiedliche Angelegenheiten sein konnen.

Posted by Gregor Brand at 12:25 AM GMT
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Sunday, 18 February 2007
Hitler als Stoiker?
Hitler war, rein begrifflich gesehen, ein Autokrator wie ahnlich der Stoiker Marc Aurel. War Hitler ein geheimer Stoiker? Immerhin sprach er derart haufig von der Vorsehung, dass man fast meinen konnte, des Stoikers Seneca "De providentia" sei sein Lieblingsbuch und er selbst ein spater stoicus occultus gewesen. Und doch ware es eine uble Beleidigung aller stoischen Denker, ihn auch nur in ihre Nahe zu bringen.

Posted by Gregor Brand at 11:05 PM GMT
Updated: Thursday, 22 February 2007 10:15 AM GMT
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Marc Aurels Vorfahren

Der romische Kaiser und Autokrator Marc Aurel schrieb zu Beginn seines beruhmten Werkes "An sich selbst", das ihn als Philosophen erwies, uber seine unmittelbaren Vorfahren - Urgro?vater, Gro?vater Verus, Vater und Mutter - und was er ihnen verdankte. Es ehrt ihn charakterlich und intellektuell, dass er sich vollkommen bewusst war, dass er Wesentliches seinen Vorfahren zu verdanken hat, auch wenn er im Grunde dazu noch viel mehr hatte schreiben mussen.

Dass er auch altsteinzeitliche Vorfahren gehabt hat -davon hat dieser hochgelehrte Politiker allerdings noch nichts gewusst. Hatte er es gewusst, so ware ihm vielleicht der Gedanke gekommen, dass seine weit vor ihm lebenden Ahnen vermutlich schon in ahnlicher Weise stoisch uber das Leben meditiert haben wie er selbst. Wahrscheinlich haben diese Alteeuropaer schon, genauso wie er, versucht, sich das Elend des Lebens durch Philosophie schonzureden und schonzudenken.

Posted by Gregor Brand at 10:59 PM GMT
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Hochstbegabte und Fernsehen

Wann werden jemals Personlichkeiten wie Avicenna, Ibn Khaldun, Maimonides, Jehuda Halevi, Erasmus Darwin, Kurt Godel oder Wilhelm Ostwald im deutschen Fernsehen genannt? Niemals oder sehr, sehr, sehr selten. Das Verhaltnis des Auftretens oder Erwahnens durchschnittlich oder sogar unterdurchschnittlich Begabter im Vergleich zu kulturell Hochleistenden scheint fast dem realen Verhaltnis in der Gesellschaft zu entsprechen. Insofern ware das Fernsehen zwar ein recht getreues Spiegelbild der Gesellschaft, aber es leistet damit zugleich viel weniger als es kulturell leisten konnte.

Posted by Gregor Brand at 10:44 PM GMT
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Wednesday, 7 February 2007
Kanons und Spatzen

Mit Hilfe von Kanons konnen selbst Spatzen schie?en.

Posted by Gregor Brand at 10:44 PM GMT
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Monday, 5 February 2007
Die Akademie Goethe

Goethe, selbst ein Universalgelehrter von panoramischer Begabung, zogerte nicht, andere, ihm vergleichbare Personlichkeiten anzuerkennen. Als er schrieb: " Die au?erordentlichen Manner des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts waren selbst Akademien, wie Humboldt zu unserer Zeit", da fand er zugleich insgeheim den passenden Ausdruck fur sich selbst.

Posted by Gregor Brand at 7:42 PM GMT
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Goethes Ekel

In Goethes "Maximen und Reflexionen" hei?t es, ein nachgesprochener Irrtum sei "ganz ekelhaft". Wie ekelhaft muss ihm allein schon unter diesem Gesichtspunkt die Menschenwelt vorgekommen sein! Schlie?lich sind nachgesprochene Irrtumer an der Tagesordnung und bestimmten nicht nur zu Goethes Zeit in bedeutendem Umfang gerade auch Religion und Philosophie.

Posted by Gregor Brand at 7:36 PM GMT
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Saturday, 27 January 2007
Mehrdeutigkeit

Wenn ich doppeldeutig bin, dann ist dies immer Absicht. Erst ab Funf- oder Sechsdeutigkeit beginnt mir die Kontrolle uber meine Mehrdeutigkeit zu entgleiten.

Posted by Gregor Brand at 12:03 AM GMT
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