There are enough letters in the world to think everything and to write everything.
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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Thursday, 22 February 2007
Enough letters
There are enough letters in the world to think everything and to write everything.
Windhauch
Der Gedanke, dass der Mensch und sein Leben fluchtig ist wie ein Windhauch, ist nicht nur ein Bild alttestamentarischer Weisheitslehre, sondern auch eine Metapher des Stoikers Marc Aurel, der in einer Reflexion und Meditation (X. Buch, Nr. 34) die Menschen mit Blattern und Blattchen vergleicht, die der Wind auf der Erde verstreut. So ist nun aber nicht nur der biblische, sondern auch der stoische Windhauchgedanke Bezugspunkt meines 1985 veroffentlichten Gedichts "Windhauch", in dem ich dieser Sicht eine andere gegenuberstelle.
Der arme Hermann Broch
Immer noch ist das Vorurteil weit verbreitet, Juden seien reich oder zumindest wohlhabend. Statt Statistiken an dieser Stelle ein Gegenbeispiel: Der gro?e Schriftsteller Hermann Broch (1886 - 1951). Uber ihn schreibt sein Biograph Manfred Durzak: "Schon Ende 1948 hatte sich Brochs finanzielle Situation wieder katastrophal zugespitzt ..." und er zitiert Brochs Satz: "Ich habe nicht mehr die Zeit, um mir den Luxus des Geldverdienens zu erlauben." Viele Dichter und Denker haben das durchgangige Bewusstsein, dass sie sich den Luxus des Geldverdienens nicht erlauben konnen. Es ware mehr als unangebracht von der Gesellschaft, wenn sie sie deswegen tadeln wollte, zumal diese Unlust zum Geldverdienen in solchen Fallen einhergeht mit dem gro?en Willen zum Arbeiten und Produzieren. So war es auch bei Hermann Broch: "Sein Arbeitsprogramm nahm nicht zu bewaltigende Ausma?e an ...", notiert Durzak. Personlichkeiten wie Broch demonstrieren auf hochstem intellektuellem Niveau, dass Arbeiten und Geldverdienen zwei vollig unterschiedliche Angelegenheiten sein konnen.
Sunday, 18 February 2007
Hitler als Stoiker?
Hitler war, rein begrifflich gesehen, ein Autokrator wie ahnlich der Stoiker Marc Aurel. War Hitler ein geheimer Stoiker? Immerhin sprach er derart haufig von der Vorsehung, dass man fast meinen konnte, des Stoikers Seneca "De providentia" sei sein Lieblingsbuch und er selbst ein spater stoicus occultus gewesen. Und doch ware es eine uble Beleidigung aller stoischen Denker, ihn auch nur in ihre Nahe zu bringen.
Posted by Gregor Brand
at 11:05 PM GMT
Updated: Thursday, 22 February 2007 10:15 AM GMT Permalink | Share This Post
Marc Aurels Vorfahren
Der romische Kaiser und Autokrator Marc Aurel schrieb zu Beginn seines beruhmten Werkes "An sich selbst", das ihn als Philosophen erwies, uber seine unmittelbaren Vorfahren - Urgro?vater, Gro?vater Verus, Vater und Mutter - und was er ihnen verdankte. Es ehrt ihn charakterlich und intellektuell, dass er sich vollkommen bewusst war, dass er Wesentliches seinen Vorfahren zu verdanken hat, auch wenn er im Grunde dazu noch viel mehr hatte schreiben mussen. Dass er auch altsteinzeitliche Vorfahren gehabt hat -davon hat dieser hochgelehrte Politiker allerdings noch nichts gewusst. Hatte er es gewusst, so ware ihm vielleicht der Gedanke gekommen, dass seine weit vor ihm lebenden Ahnen vermutlich schon in ahnlicher Weise stoisch uber das Leben meditiert haben wie er selbst. Wahrscheinlich haben diese Alteeuropaer schon, genauso wie er, versucht, sich das Elend des Lebens durch Philosophie schonzureden und schonzudenken.
Hochstbegabte und Fernsehen
Wann werden jemals Personlichkeiten wie Avicenna, Ibn Khaldun, Maimonides, Jehuda Halevi, Erasmus Darwin, Kurt Godel oder Wilhelm Ostwald im deutschen Fernsehen genannt? Niemals oder sehr, sehr, sehr selten. Das Verhaltnis des Auftretens oder Erwahnens durchschnittlich oder sogar unterdurchschnittlich Begabter im Vergleich zu kulturell Hochleistenden scheint fast dem realen Verhaltnis in der Gesellschaft zu entsprechen. Insofern ware das Fernsehen zwar ein recht getreues Spiegelbild der Gesellschaft, aber es leistet damit zugleich viel weniger als es kulturell leisten konnte.
Wednesday, 7 February 2007
Kanons und Spatzen
Mit Hilfe von Kanons konnen selbst Spatzen schie?en.
Monday, 5 February 2007
Die Akademie Goethe
Goethe, selbst ein Universalgelehrter von panoramischer Begabung, zogerte nicht, andere, ihm vergleichbare Personlichkeiten anzuerkennen. Als er schrieb: " Die au?erordentlichen Manner des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts waren selbst Akademien, wie Humboldt zu unserer Zeit", da fand er zugleich insgeheim den passenden Ausdruck fur sich selbst.
Goethes Ekel
In Goethes "Maximen und Reflexionen" hei?t es, ein nachgesprochener Irrtum sei "ganz ekelhaft". Wie ekelhaft muss ihm allein schon unter diesem Gesichtspunkt die Menschenwelt vorgekommen sein! Schlie?lich sind nachgesprochene Irrtumer an der Tagesordnung und bestimmten nicht nur zu Goethes Zeit in bedeutendem Umfang gerade auch Religion und Philosophie.
Saturday, 27 January 2007
Mehrdeutigkeit
Wenn ich doppeldeutig bin, dann ist dies immer Absicht. Erst ab Funf- oder Sechsdeutigkeit beginnt mir die Kontrolle uber meine Mehrdeutigkeit zu entgleiten.
Besonderes und Allgemeines
Das Besondere schuldet dem Allgemeinen nicht mehr Dank als umgekehrt.
Friday, 26 January 2007
Allzu feministisch
Es soll Feministinnen geben, die fordern, dass man von Clara Schumann nur noch als von Clara Schufrau redet.
Thursday, 25 January 2007
Erroten
Wenn der Himmel errotet, hatten wir Grund, uns zu schamen.
Welten
Alle Welten plus Eins: Das ist die Welt.
Posted by Gregor Brand
at 11:54 PM GMT
Updated: Thursday, 25 January 2007 11:53 PM GMT Permalink | Share This Post
Geselligkeit
Es muss ein Meister gewesen sein, dem zuerst die Geselligkeit der Gesellen und die Ungeselligkeit der Meister auffiel.
Wurzel der Zukunft
Man sollte nicht uber die Wurzeln der Baume stolpern, die noch gar nicht gepflanzt sind.
Punctum saliens
Der springende Punkt wird seiner Berufung untreu: Punkte sollten fest an der ihnen zugewiesenen Stelle Wache stehen und nicht unruhig umherspringen.
Bilderreiche Sprache
Nietzsches Ausdruck von der "Mutter der Kunste" gleicht dem beruhmteren Wort Saddam Husseins von der "Mutter aller Schlachten". Uberhaupt hatte der sachsische Philosoph eine seltsame und fast orientalisch anmutende Vorliebe fur bilderreichen Ausdruck. Noch ausgepragter war diese Vorliebe bei dem Philosophen Julius Bahnsen, der seiner schleswigschen Herkunft nach noch nordischer und orientferner war als Nietzsche. Ob Bahnsen, ob Nietzsche oder andere deutsche Dichter und Denker: Bilderreiche Sprache ist ein Zeichen von Sprachreichtum - und schon deswegen nichts Undeutsches.
Angste
Man sollte Angsten nicht voreilig unterstellen, dass sie den Menschen beherrschen wollen. Wahrscheinlich sind sie schon zufrieden, wenn man sie respektiert.
Tuesday, 23 January 2007
Gott und Erde
Noch hat niemand uberzeugend nachgewiesen, mit welchem Recht man von Gott verlangen konnte, sich mit einem so winzigen und kaum wahrnehmbaren kosmischen Objekt wie der Erde naher und intensiver zu befassen.
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