Wenn ich doppeldeutig bin, dann ist dies immer Absicht. Erst ab Funf- oder Sechsdeutigkeit beginnt mir die Kontrolle uber meine Mehrdeutigkeit zu entgleiten.
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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Saturday, 27 January 2007
Mehrdeutigkeit
Wenn ich doppeldeutig bin, dann ist dies immer Absicht. Erst ab Funf- oder Sechsdeutigkeit beginnt mir die Kontrolle uber meine Mehrdeutigkeit zu entgleiten.
Besonderes und Allgemeines
Das Besondere schuldet dem Allgemeinen nicht mehr Dank als umgekehrt.
Friday, 26 January 2007
Allzu feministisch
Es soll Feministinnen geben, die fordern, dass man von Clara Schumann nur noch als von Clara Schufrau redet.
Thursday, 25 January 2007
Erroten
Wenn der Himmel errotet, hatten wir Grund, uns zu schamen.
Welten
Alle Welten plus Eins: Das ist die Welt.
Posted by Gregor Brand
at 11:54 PM GMT
Updated: Thursday, 25 January 2007 11:53 PM GMT Permalink | Share This Post
Geselligkeit
Es muss ein Meister gewesen sein, dem zuerst die Geselligkeit der Gesellen und die Ungeselligkeit der Meister auffiel.
Wurzel der Zukunft
Man sollte nicht uber die Wurzeln der Baume stolpern, die noch gar nicht gepflanzt sind.
Punctum saliens
Der springende Punkt wird seiner Berufung untreu: Punkte sollten fest an der ihnen zugewiesenen Stelle Wache stehen und nicht unruhig umherspringen.
Bilderreiche Sprache
Nietzsches Ausdruck von der "Mutter der Kunste" gleicht dem beruhmteren Wort Saddam Husseins von der "Mutter aller Schlachten". Uberhaupt hatte der sachsische Philosoph eine seltsame und fast orientalisch anmutende Vorliebe fur bilderreichen Ausdruck. Noch ausgepragter war diese Vorliebe bei dem Philosophen Julius Bahnsen, der seiner schleswigschen Herkunft nach noch nordischer und orientferner war als Nietzsche. Ob Bahnsen, ob Nietzsche oder andere deutsche Dichter und Denker: Bilderreiche Sprache ist ein Zeichen von Sprachreichtum - und schon deswegen nichts Undeutsches.
Angste
Man sollte Angsten nicht voreilig unterstellen, dass sie den Menschen beherrschen wollen. Wahrscheinlich sind sie schon zufrieden, wenn man sie respektiert.
Tuesday, 23 January 2007
Gott und Erde
Noch hat niemand uberzeugend nachgewiesen, mit welchem Recht man von Gott verlangen konnte, sich mit einem so winzigen und kaum wahrnehmbaren kosmischen Objekt wie der Erde naher und intensiver zu befassen.
Christian von Ehrenfels und die Polygamie
Der von Max Brod, Franz Kafka und Sigmund Freud hoch geschatzte - und allein deswegen schon beachtenswerte - osterreichische Philosoph Christian von Ehrenfels verwendete einen erheblichen Teil seiner Lebens- und Arbeitszeit darauf, die kulturelle Schadlichkeit des monogamischen Ideals zu betonen. Die juristische und moralische Etablierung der Monogamie hielt er fur einen der verhangnisvollsten Fehler der Kulturentwicklung Europas. Dabei kann nur wenig Zweifel daran bestehen, dass der hochintelligente Philosoph Christian von Ehrenfels sich durchaus sehr bewusst war, dass er personlich nur wenig davon profitiert hatte, wenn - wie er dies forderte - dieses monogamische Prinzip aufgegeben worden ware. Ehrenfels ahnte sicherlich, dass ein schuchterner Philosoph - wie er es selbst war - nur verhaltnisma?ig wenig Chancen gehabt hatte, mit mehreren Frauen polygam zusammenzuleben. Es ehrt ihn, dass er dennoch nicht von seiner wohldurchdachten Uberzeugung ablie?, dass es fur Kultur und Menschheit besser sei, sich in Ehe- und Fortpflanzungsfragen nicht auf Monogamie zu versteifen.
Thursday, 18 January 2007
Was gut tut
Was anderen Menschen gut tut, kann nur ein Indiz dafur sein, was uns selbst eventuell auch gut tun konnte.
Letzte deutsche Universalgelehrte, Universalgebildete, Universalgenies
Eine bemerkenswert gro?e Zahl deutscher Personlichkeiten sind im Lauf der Zeit schon als "letzte Universalgelehrte" oder in ahnlicher Weise charakterisiert worden. Es ware sicher nicht uninteressant, diese jeweils angeblich letzten deutschen Universalgelehrten einmal zusammenfassend aufzuzahlen. Auch wenn die Ehre der letzten Universalgelehrtheit nur Einem zukommen kann - es sei denn, man differenziert nach bestimmten Zeitraumen (etwa Jahrhunderten), so ergabe sich daraus sicherlich eine Liste beeindruckend wissender Menschen. Einige dieser so ehrenvoll Erwahnten will ich hier aufzahlen: - Gottfried Wilhelm LEIBNIZ (1646 - 1714) ("Leibniz als letzter Universalgelehrter" - W. Muller 1997) - Alexander von HUMBOLDT (1769 - 1859) ("Er gilt als letzter Universalgelehrter und erster global denkender Wissenschaftler" - dpa 2004) - Ernst CASSIRER (1874 - 1945) ("Er, der letzte universal Gebildete des 20. Jahrhunderts ..." - Jurgen Habermas 1997) - Hermann K. BURMEISTER (1807 - 1892) (nach Angaben einer Internetseite seiner Vaterstadt Stralsund) - Johann Wolfgang GOETHE (1749 - 1832) - Carl Friedrich VON WEIZSACKER (1912 - 2007) In dem von Sebastian Donat in Verbindung mit Hendrik Birus 1999 veroffentlichten Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung "Goethe - ein letztes Universalgenie?" wird die Frage, ob Goethe ein Universalgenie gewesen sei - und damit auch ein Universalgelehrter - , nicht ausdrucklich bejaht, aber durch die Beschreibung der verschiedenen Interessengebiete Goethes und seine diesbezuglichen Tatigkeiten implizit bejaht. Was aber die Autoren leider nicht erortern, ist die Frage, warum Goethe ein LETZTES Universalgenie gewesen sei. Sie gehen zwar auf die Frage ein, ob und wann er ein Genie gewesen sei (ihre Antwort: in seiner Jugend) und ob und wann er universell gewesen ist (ihre Antwort: Universell war nur der "reife" Goethe), aber eben nicht auf das Thema der Letztmaligkeit. Es drangt sich der Eindruck auf, dass in diesem Fall - wie auch sonst - bei der Nennung von Universalgelehrten das Adjektiv "letzter" recht gedankenlos und anscheinend wie notwendig dazugehorend mitgenannt wird. In Wirklichkeit macht die Angabe, jemand sei LETZTER Universalgelehrter gewesen, die eigentliche Aussage unnotig problematisch. Denn entscheidend ist der Umstand, dass man es hier mit extrem vielseitig Gebildeten zu tun hat, wohingegen die Frage nach der Letztmaligkeit solcher Bildung beinahe uberflussig ist, zumal niemand die Zukunft voraussehen kann und damit auch nicht die Zukunft der Universalbildung.
Posted by Gregor Brand
at 12:17 AM GMT
Updated: Friday, 18 May 2007 12:25 AM BST Permalink | Share This Post Sunday, 14 January 2007
Genie und Wahnsinn - ein Lesetipp
Wer wissen will, worin sich Genie und Wahnsinn ahnlich und worin sie sich entscheidend unterscheiden, der konnte, wenn ihm dies nicht schon aufgrund eigener Uberlegungen klar wird, beispielsweise Wilhelm Windelbands Aufsatz "Uber Friedrich Holderlin und sein Geschick" lesen.
Hitler als Prophet
Hitler hat in vielen Reden betont, dass er sich selbst als Prophet betrachtete und ausdrucklich verkundet, dass er Prophet sein wollte. Damit hat er aber zugleich jedes Mal gezeigt, wie stark er noch von judischen Vorstellungen und Wertungen beeinflusst war. So wie vielen Juden - beispielsweise Leo Baeck oder Hermann Cohen - die judischen Propheten als menschliche Optimalformen galten, so setzte entsprechend auch Hitler einen erheblichen Teil seines Ehrgeizes darin, wahrer deutscher Prophet zu sein.
Cusanus, Cohen, Cassirer, Kant - wer passt nicht in diese Reihe?
Dass mein moselfrankischer Landsmann Nikolaus von Kues von Hermann Cohen und Ernst Cassirer als Denker in den hochsten Tonen gelobt und ganz au?erordentlich geschatzt wurde, bedeutet noch nicht, dass ein um 1900 lebender Cusanus Neukantianer geworden ware. Andererseits konnte dieses Lob Anlass sein, wieder einmal zu fragen, inwieweit Cusanus Prakantianer war - oder Kant ein Postcusanist.
Tuesday, 9 January 2007
Lebensalter als Argument
Avicenna (980 - 1037), der arabische "Furst der Arzte" und als medizinisches Genie gefeierte Philosoph, wurde nur 57 Jahre alt. Hatte man zu seinen Lebzeiten an seine gro?en Arztqualitaten geglaubt, wenn man gewusst hatte, dass er nicht alter werden wird? Wenn man deswegen gezweifelt hatte, dann zu Unrecht: Nur sehr selten werden Theorien schon dadurch widerlegt, dass ihre Schopfer nicht sehr alt werden.
Sunday, 7 January 2007
Vulkanische Politik
Ernst Cassirer meinte, in der Politik lebten wir immer auf vulkanischem Boden. Ich denke: Wenn wir in der Politik auf vulkanischem Boden leben, dann leben wir immer auf vulkanischem Boden. Ich vermute: Cassirer gelangte durch die Lekture Carl Schmitts zu seiner Beobachtung. Dann hatte sich Schmitt einmal mehr als immer noch unterschatzter Ideengeber erwiesen.
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