Et in Bettenfeld ego.
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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Thursday, 18 January 2007
Was gut tut
Was anderen Menschen gut tut, kann nur ein Indiz dafur sein, was uns selbst eventuell auch gut tun konnte.
Letzte deutsche Universalgelehrte, Universalgebildete, Universalgenies
Eine bemerkenswert gro?e Zahl deutscher Personlichkeiten sind im Lauf der Zeit schon als "letzte Universalgelehrte" oder in ahnlicher Weise charakterisiert worden. Es ware sicher nicht uninteressant, diese jeweils angeblich letzten deutschen Universalgelehrten einmal zusammenfassend aufzuzahlen. Auch wenn die Ehre der letzten Universalgelehrtheit nur Einem zukommen kann - es sei denn, man differenziert nach bestimmten Zeitraumen (etwa Jahrhunderten), so ergabe sich daraus sicherlich eine Liste beeindruckend wissender Menschen. Einige dieser so ehrenvoll Erwahnten will ich hier aufzahlen: - Gottfried Wilhelm LEIBNIZ (1646 - 1714) ("Leibniz als letzter Universalgelehrter" - W. Muller 1997) - Alexander von HUMBOLDT (1769 - 1859) ("Er gilt als letzter Universalgelehrter und erster global denkender Wissenschaftler" - dpa 2004) - Ernst CASSIRER (1874 - 1945) ("Er, der letzte universal Gebildete des 20. Jahrhunderts ..." - Jurgen Habermas 1997) - Hermann K. BURMEISTER (1807 - 1892) (nach Angaben einer Internetseite seiner Vaterstadt Stralsund) - Johann Wolfgang GOETHE (1749 - 1832) - Carl Friedrich VON WEIZSACKER (1912 - 2007) In dem von Sebastian Donat in Verbindung mit Hendrik Birus 1999 veroffentlichten Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung "Goethe - ein letztes Universalgenie?" wird die Frage, ob Goethe ein Universalgenie gewesen sei - und damit auch ein Universalgelehrter - , nicht ausdrucklich bejaht, aber durch die Beschreibung der verschiedenen Interessengebiete Goethes und seine diesbezuglichen Tatigkeiten implizit bejaht. Was aber die Autoren leider nicht erortern, ist die Frage, warum Goethe ein LETZTES Universalgenie gewesen sei. Sie gehen zwar auf die Frage ein, ob und wann er ein Genie gewesen sei (ihre Antwort: in seiner Jugend) und ob und wann er universell gewesen ist (ihre Antwort: Universell war nur der "reife" Goethe), aber eben nicht auf das Thema der Letztmaligkeit. Es drangt sich der Eindruck auf, dass in diesem Fall - wie auch sonst - bei der Nennung von Universalgelehrten das Adjektiv "letzter" recht gedankenlos und anscheinend wie notwendig dazugehorend mitgenannt wird. In Wirklichkeit macht die Angabe, jemand sei LETZTER Universalgelehrter gewesen, die eigentliche Aussage unnotig problematisch. Denn entscheidend ist der Umstand, dass man es hier mit extrem vielseitig Gebildeten zu tun hat, wohingegen die Frage nach der Letztmaligkeit solcher Bildung beinahe uberflussig ist, zumal niemand die Zukunft voraussehen kann und damit auch nicht die Zukunft der Universalbildung.
Posted by Gregor Brand
at 12:17 AM GMT
Updated: Friday, 18 May 2007 12:25 AM BST Permalink | Share This Post Sunday, 14 January 2007
Genie und Wahnsinn - ein Lesetipp
Wer wissen will, worin sich Genie und Wahnsinn ahnlich und worin sie sich entscheidend unterscheiden, der konnte, wenn ihm dies nicht schon aufgrund eigener Uberlegungen klar wird, beispielsweise Wilhelm Windelbands Aufsatz "Uber Friedrich Holderlin und sein Geschick" lesen.
Hitler als Prophet
Hitler hat in vielen Reden betont, dass er sich selbst als Prophet betrachtete und ausdrucklich verkundet, dass er Prophet sein wollte. Damit hat er aber zugleich jedes Mal gezeigt, wie stark er noch von judischen Vorstellungen und Wertungen beeinflusst war. So wie vielen Juden - beispielsweise Leo Baeck oder Hermann Cohen - die judischen Propheten als menschliche Optimalformen galten, so setzte entsprechend auch Hitler einen erheblichen Teil seines Ehrgeizes darin, wahrer deutscher Prophet zu sein.
Cusanus, Cohen, Cassirer, Kant - wer passt nicht in diese Reihe?
Dass mein moselfrankischer Landsmann Nikolaus von Kues von Hermann Cohen und Ernst Cassirer als Denker in den hochsten Tonen gelobt und ganz au?erordentlich geschatzt wurde, bedeutet noch nicht, dass ein um 1900 lebender Cusanus Neukantianer geworden ware. Andererseits konnte dieses Lob Anlass sein, wieder einmal zu fragen, inwieweit Cusanus Prakantianer war - oder Kant ein Postcusanist.
Tuesday, 9 January 2007
Lebensalter als Argument
Avicenna (980 - 1037), der arabische "Furst der Arzte" und als medizinisches Genie gefeierte Philosoph, wurde nur 57 Jahre alt. Hatte man zu seinen Lebzeiten an seine gro?en Arztqualitaten geglaubt, wenn man gewusst hatte, dass er nicht alter werden wird? Wenn man deswegen gezweifelt hatte, dann zu Unrecht: Nur sehr selten werden Theorien schon dadurch widerlegt, dass ihre Schopfer nicht sehr alt werden.
Sunday, 7 January 2007
Vulkanische Politik
Ernst Cassirer meinte, in der Politik lebten wir immer auf vulkanischem Boden. Ich denke: Wenn wir in der Politik auf vulkanischem Boden leben, dann leben wir immer auf vulkanischem Boden. Ich vermute: Cassirer gelangte durch die Lekture Carl Schmitts zu seiner Beobachtung. Dann hatte sich Schmitt einmal mehr als immer noch unterschatzter Ideengeber erwiesen.
Beschneidungsreligionen
Nicht nur Madchen, sondern auch Jungen sind Opfer religioser Beschneidung. Nicht nur Frauen, sondern auch Manner sollten daher interessiert daran sein, den Einfluss von Beschneidungsreligionen zu beschneiden.
Noogramm
Nur gute Aphorismen verdienen es, als Noogramme bezeichnet zu werden.
Friday, 5 January 2007
Die Philosophen des Oberforsters
Ernst Junger hat in seinem grandiosen Werk "Auf den Marmorklippen" nicht erwahnt, welche Philosophen der Oberforster gelesen hat. Wenn er uberhaupt philosophische Werke gelesen hat, so konnten es solche von Rousseau, Marx und Nietzsche gewesen sein.
Tetragrammaton
Der biblische Gott benutzte, um sich selbst zu bezeichnen und zu benennen - oder auch: sich nicht zu bezeichnen und zu benennen - ein Four-Letter Word. Viele wichtige Philosophen - von Maimonides uber Cusanus bis Derrida - fanden anscheinend kaum etwas erregender, wie sich nicht zuletzt einer lesenswerten Arbeit des Kieler Philosophen Dirk Westerkamp entnehmen lasst (Via negativa. Sprache und Methode der negativen Theologie. Munchen 2006)
Gedicht von der Antwort
Fur alle Fragen dieser Welt gibt es nur eine einzige Antwort: Ich wei? es nicht. Diese Antwort ist immer richtig. Vorausgesetzt, die Frage war wirklich wichtig.
Posted by Gregor Brand
at 11:03 PM GMT
Updated: Friday, 5 January 2007 11:26 PM GMT Permalink | Share This Post
Rechtsphilosophie
Alles ist Rechtsphilosophie, was nicht Linksphilosophie ist.
Essbare symbolische Formen
Hat nicht in prakopernikanischen Zeiten jede Kase- und Wurstscheibe in gewisser Weise auch die Erde symbolisiert? Verbraucht und verzehrt nicht jedes Essen die Erde? Ja - aber die Erde braucht solches Verbrauchen, um lebendig zu bleiben. Das wollen uns jene einflussreichen Philosophen weismachen, die betonen, dass nichts ist, was wir Menschen nicht im Geist erfassen.
Unbeliebte Glaubige
Es ist ein gro?er Unterschied, ob man sich bei Glaubigen oder bei Gott unbeliebt macht.
Mutige Religionsgrunder
Erstaunlich, dass Buddha, Jesus und Mohammed sich zutrauten, neue Religionen zu grunden, obwohl sie doch von den Erkenntnissen und Ergebnissen moderner Religionswissenschaftler und Religionsphilosophen noch nichts wussten.
Monday, 1 January 2007
Der Besitz der Weisen
Dem Weisen, lehrt Rabbi Nachman von Breslov, gehort die Welt. Ja, aber leider oft sonst nichts.
Langweilige Weisheit
Was weise ist, ist niemals nur aktuell, sondern gilt immer. Deshalb wird es auch immer als langweilig erscheinen.
Die gluckliche Generation
Diejenige Generation ware glucklich zu nennen, in der die Klugen sich nicht nach dem richten, was die Dummen sagen.
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