Wie kann sich ein judischer Philosoph nur Constantin Brunner nennen, wenn er eigentlich Leo Wertheimer hei?t? Lie? Gott zur Strafe fur diesen Frevel einen der schlimmsten Judenverfolger Alois Brunner hei?en?
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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Tuesday, 20 June 2006
Der Name eines Philosophen
Wie kann sich ein judischer Philosoph nur Constantin Brunner nennen, wenn er eigentlich Leo Wertheimer hei?t? Lie? Gott zur Strafe fur diesen Frevel einen der schlimmsten Judenverfolger Alois Brunner hei?en?
Fruchte als Ma?stab
Eine Philosophie an ihren literarischen Fruchten zu messen: Das ist ungerecht. Eigentlich ist es auch ungerecht, einen Baum an seinen Fruchten zu messen und einem fruchtlosen Baum Wert und Daseinsberechtigung abzusprechen.
Monday, 5 June 2006
Levinas, Litauen
Zu den bekannten Juden, die in Litauen geboren wurden und aufwuchsen, also durch Litauen auch gepragt wurden, gehort der Philosoph Emmanuel Levinas. In der Levinas-Biographie von Salomon Malka wird dargestellt, dass Juden und Litauer bis zum Ersten Weltkrieg friedlich und tolerant - kurz: "recht gut", wie es in der Ubersetzung von F. Miething hei?t - zusammengelebt haben. Das letzte Pogrom gegen die Juden lag in der litauischen Hauptstadt Kaunas, als Levinas dort geboren wurde, rund 150 Jahre zuruck. Wenn man die von Malka erwahnten Beispiele fur ein eintrachtiges Zusammenleben von Juden und Litauern - immerhin gab es also auch um 1900 diese Differenzierung zwischen beiden Volksgruppen - liest, dann erscheint es um so erstaunlicher, warum sich nur ein paar Jahrzehnte spater die Situation vollig anders darstellt: 1941 schreibt die Litauerin E. Kutorgiene-Buivydaite: "Alle Litauer, mit nur geringen Ausnahmen sind eins in ihren Ha?gefuhlen gegenuber den Juden, das gilt insbesondere fur die Intelligenz ..." oder "Litauen ist wirklich eins in seinem Ha? auf die Juden ..." (zitiert nach: V. Kronenberg: Ernst Nolte und das totalitare Zeitalter. Versuch einer Verstandigung. Bonn 1999, S. 234 f.) Hatte Levinas 1941 in Litauen gelebt, dann hatte er also in lauter hasserfullte levinassche Antlitze schauen konnen und schauen mussen. In Antlitze, die vielleicht hasserfullter waren als die derjenigen Deutschen, die ihn wahrend des 2. Weltkriegs bewachten.
Friday, 19 May 2006
Faut-il bruler Beauvoir?
Als Simone de Beauvoir die onomastisch inkorrekte Frage stellte: "Soll man Sade verbrennen?", ist ihr vermutlich klar gewesen, dass sich damit schnell und nahezu gleichzeitig die Frage aufdrangt: Soll man Beauvoir verbrennen? Auch wenn die Frage nach dem "bruler" in Frankreich weit weniger dramatisch klingt als in Deutschland - schlie?lich wird sie dort zu fast allem und jedem aufgeworfen und die letzte franzosische Bucherverbrennung war nicht so theatralisch-damonisch wie die deutsche 1933 - so ist sie doch mehr als blo?e Redewendung. Man soll in der Regel keine Bucher dem Scheiterhaufen uberantworten und ubergeben. Aber wenn man vor die unangenehme Wahl zwischen de Beauvoir und de Sade gestellt wurde, so erscheinen mir die Bucher des Marquis weitaus wertvoller und bewahrenswerter als die Beauvoirs. Wer sich in einer solchen Weise, wie de Beauvoir es tat, gegen Kinder und Geburten ausspricht - warum sollte das Werk eines solchen Menschen eigentlich uberhaupt eine Zukunft verdienen? Wer Kinderlosigkeit als Ideal propagiert, propagiert schlie?lich: Nichts. Nachtrag zu de Beauvoir: Mann wird nicht als Frau geboren. Frau wird nicht als Mann geboren.
Posted by Gregor Brand
at 8:59 PM BST
Updated: Saturday, 26 May 2007 11:20 PM BST Permalink | Share This Post Sunday, 30 April 2006
Die Erfindung des Rades
Schon Ende der Achtziger Jahre war Hayo Hayen, der Leiter der Abteilung Moorarchaologie im Staatlichen Museum fur Naturkunde und Vorgeschichte in Oldenburg/Nidersachsen, uberzeugt davon, dass das Rad nicht im Vorderen Orient erfunden wurde, sondern in Europa. Das neue Jahrtausend hat ihm Recht gegeben: Die im weiteren Alpenraum - zum Beispiel im Jahr 2002 in Slowenien - gefundenen Rader sind alter als die in Mesopotamien. Auch dies bestatigt, was sich nach dem Fund der Sonnenscheibe von Nebra allmahlich, ganz langsam, herumzusprechen beginnt: Dass die Alteuropaer zivilisatorisch dem Vorderen Orient nicht nachstanden. Aber wahrscheinlich wird es noch etliche Jahre dauern, bis man begreift, dass dies nicht nur fur den Stand der Technologie gilt, sondern auch fur Religion und Philosophie.
Friday, 3 March 2006
Verzeihen und Vergessen
Um zu verzeihen, darf man nicht vergessen. Man kann nur das verzeihen, was man nicht vergessen hat.
Homo sapiens sapiens
Nemo omnibus horis sapiens est.
Posted by Gregor Brand
at 11:35 PM GMT
Updated: Friday, 3 March 2006 11:41 PM GMT Permalink | Share This Post
Zufriedenheit
Es konnte ein Grund zur Zufriedenheit sein, dass Unzufriedenheit die Menschen nicht schoner macht.
Brillen und Fremdworter
Der kambodschanische Marxist Pol Pot lie? von seinen Roten Khmer die Brillentrager seines Volkes als mutma?lich konterrevolutionare Intellektuelle ermorden. Er hatte, mit gleichem Unrecht, die Benutzer von seltenen Fremdwortern, Archaismen und anspruchsvoller Syntax toten lassen konnen. Und wahrscheinlich tat er dies auch.
Tuesday, 21 February 2006
Ernst Brucke
Ernst Brucke war die gro?te Autoritat, der Sigmund Freud nach eigener Einschatzung je begegnet ist. Wer kennt heute noch den Namen jenes brillanten rothaarigen Wissenschaftlers? Wer hat ihn je gekannt? Auch im Fall von Ernst Brucke zeigt sich wieder, dass Autoritat nicht notwendig etwas mit Bekanntheit oder gar Beruhmtheit zu tun hat.
Monday, 20 February 2006
Freier Fall
Wenn man, wie von Trost spenden wollenden Pfarrern oft zu horen ist, nach dem Tod in Gottes Hand fallt, dann bedeutet dies auch, dass er uns vorher noch nicht ganz im Griff hatte.
Posted by Gregor Brand
at 12:51 PM GMT
Updated: Tuesday, 21 February 2006 1:31 AM GMT Permalink | Share This Post
De vita
Leben: Das hei?t auch, dem Schauspiel der Entfaltung der eigenen Gene hilflos und fasziniert zugleich zuzuschauen.
Posted by Gregor Brand
at 12:44 PM GMT
Updated: Tuesday, 21 February 2006 1:27 AM GMT Permalink | Share This Post Friday, 20 January 2006
Times of reason
Times of Reason Hours of reason have always been in mankind`s history times of breath- taking between years of stupidity.
Wednesday, 4 January 2006
Wladimir Toporow (1928 - 2005)
Zu den gro?en Toten des Jahres 2005 gehort der herausragende russische Gelehrte Wladimir Toporow , der sich um die baltischen Kulturen und ihr indoeuropaisches Erbe hoch verdient gemacht hat. Diese Kulturleistung ist auch fur Deutsche bedeutsam - nicht deswegen, weil es deutsche Christen waren, die im Mittelalter einen gro?en Teil dieses heidnisch europaischen Erbes gewaltsam zerstort haben, sondern weil diese indoeuropaischen Wurzeln auch Wurzeln der Deutschen sind. Davon abgesehen ist es verdienstvoller, wie Toporow es tat, originelle, ja bahnbrechende, Bucher zur Kultur der Pruzzen zu schreiben als das zigtausendste unoriginelle Buch zur Theologie derjenigen Religion, die das baltische Heidentum genauso grausam behandelte wie vorher das slawische und germanische.
Posted by Gregor Brand
at 11:48 AM GMT
Updated: Wednesday, 4 January 2006 11:57 AM GMT Permalink | Share This Post Saturday, 24 December 2005
Folter
Selbst Maschinen bekennen unter Folter nicht begangene Untaten und Fehler.
Unzufriedenes Leben
Wer mit seinem Leben hadert, muss mit seinem Hadern leben.
Aurelianische Metaphern
Um uber den Menschen philosophieren zu konnen, war auch Marc Aurel jeder unpassende Vergleich recht. Aber der Mensch ist, allen romischen Kaisern und antiken Philosophen zum Trotz, weder Baum noch Biene.
Gelehrtes Lesen
Gelehrte, die wenig lesen, konnten sich zu ihrer Verteidigung auf Lichtenberg berufen - wenn sie ihn gelesen hatten.
Wednesday, 14 December 2005
Gegen den Strom
Gegen den Strom zu schwimmen, das war schon gefahrlich, ehe es Stromleitungen gab.
Wednesday, 9 November 2005
Unterschiedliche Niederlagen
Oft schon wurde die deutsche Niederlage von 1945 mit der Katastrophe des Drei?igjahrigen Krieges verglichen. Aber nach dem Drei?igjahrigen Krieg waren die Deutschen fromm und kinderreich und allein dies macht schon einen entschiedenden Unterschied zur Lage nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Den Deutschen des 20. Jahrhunderts fehlte - im Gegensatz zu den Deutschen des 17. Jahrhunderts - jene judisch-biblische Frommigkeit, die ein Volk zahlreich und stark machen kann.
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