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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Saturday, 28 May 2005
Zur Vererblichkeit von Intelligenz

Es gibt zahlreiche und ausgedehnte Zwillings- und Adoptionsstudien zur Frage der Vererblichkeit von Intelligenz. Bei den Zwillingsstudien sind bisher insgesamt in verschiedenen Landern uber jeweils 5000 eineiige und 5000 zweieiige Zwillingspaare untersucht worden.

Diese Untersuchungen an Zwillingen und anderen Verwandten haben unter anderem folgende Ergebnisse gebracht:

1) Die Korrelation der Intelligenztestwerte von eineiigen Zwillingen ist extrem hoch. Oder anders ausgedruckt: Bei gemeinsam aufgewachsenen eineiigen – im Gegensatz zu genetisch weniger ubereijnstimmenden zweieiigen - Zwillingen kann man praktisch keine Intelligenzunterschiede feststellen. Dazu passen neuere gehirntomographische Untersuchungen (z. B. von Prof. P. Thompson), die feststellen, dass die Gehirne von eineiigen Zwillingen nahezu gleich sind (z. B. was den Anteil von grauer und wei?er Gehirnsubstanz betrifft). Bei getrennt aufgewachsenen monozygoten Zwillingen ist die Ubereinstimmung bei den IQ-Werten nur ganz geringfugig kleiner.

2) Getrennt (in verschiedenen Familien, manchmal sogar verschiedenen Landern) aufgewachsene eineiige Zwillinge sind sich in ihren IQ-Werten trotz unterschiedlicher Lebensbedingungen ahnlicher als zusammen aufgewachsene zweieiige Zwillinge oder "normale" Geschwister.

3) Die Ahnlichkeit der IQ-Werte von Zwillingen nimmt mit zunehmendem Lebensalter nicht ab, sondern zu, obwohl der Anteil der gemeinsamen Umwelt und der ahnlichen Lebensweise immer geringer wird Aus diesen und anderen Forschungen wird geschlossen, dass der Anteil der Gene auf die Auspragung der Intelligenz mit zunehmendem Alter gro?er wird.

4) Die IQ-Korrelationen von Verwandten entsprechen dem Grad der Verwandtschaft, unabhangig davon, ob die Verwandten in gemeinsamer Umgebung aufgewachsen sind oder nicht. Das hei?t beispielsweise : Getrennt aufgewachsene Geschwister sind sich in ihrer Intelligenz ahnlicher als in gleicher Familie erzogene Cousins.

Was die Adoptionsstudien betrifft, so zeigen sie unter anderem folgende Ergebnisse:

1) Adoptivkinder sind in ihrer Intelligenz nach Abschluss des Wachstums ihren biologischen Eltern (und Geschwistern) weitaus ahnlicher als ihren Adoptiveltern (und Adoptivgeschwistern), selbst wenn sie im Sauglingsalter adoptiert wurden und in der Adoptivfamilie aufgewachsen sind.

2) Die Ahnlichkeit von Adoptivkindern mit den leiblichen Verwandten nimmt mit zunehmendem Alter erstaunlicherweise sogar zu, obwohl die in der Adoptivfamilie gemeinsam verbrachte Zeit ja angestiegen ist. Das hei?t: Adoptivgeschwister, die beispielsweise vom 1. bis zum 18. Lebensjahr in der gleichen Familie aufwachsen, werden sich dennoch intelligenzma?ig immer unahnlicher. Mit 18 korrelieren die IQ-Werte von Adoptivkindern zu ihren Adoptiveltern- und geschwistern kaum starker als mit anderen, ihnen uberhaupt nicht verwandten Personen - ganz im Gegensatz zur Situation gegenuber ihren leiblichen Verwandten, mit denen sie keine gemeinsame Umwelt teilten.

Man konnte noch wesentlich mehr Ergebnisse aus den Adoptions- und Zwillingsstudien aufzahlen, die aber alle in die gleiche Richtung gehen: Der Grad der Intelligenz als der Leistungsfahigkeit des Gehirns hangt in erster Linie von genetischen Faktoren ab.

Posted by Gregor Brand at 8:14 PM BST
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Wednesday, 25 May 2005
Das Leben lebt

Das Leben lebt
von Bildern.

Menschen sind Jager,
Menschen sind Beute.

Und alle wildern.

Posted by Gregor Brand at 11:03 PM BST
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Uber die Romer

Am 22. Juni 1968 notierte Cioran den luziferischen Satz: "La seule valeur a laquelle je crois est la liberte." Cioran verkundete dieses Lob der Freiheit in einer Sprache, die ebenso wie seine rumanische Muttersprache wesentlich auf romischem Schwert und Liktorenbundeln gegrundet war.

Max Brod, dem Freiheit nicht weniger wichtig war als Cioran, sprach in seinem philosophischen Werk "Von der Unsterblichkeit der Seele" (1969) von den "fluchwurdigen Romern" - was ihn mit Hannibal eng verbindet und von Cioran weit trennt.

Posted by Gregor Brand at 10:46 PM BST
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Tuesday, 24 May 2005
Vater
Ernst Junger spricht in seinen Aufzeichnungen sehr positiv von seinem Vater, dessen Geburtstages er stets gedenke. Junger war froh, einen Vater gehabt zu haben und er war froh, gerade diesen Vater gehabt zu haben. Welch ein erfrischender Unterschied zu dem eloquent parlierenden Geschwatz des hochbegabten Jean-Paul Sartre in ?Les Mots?, der quasi vaterlos aufwuchs und aus dieser Not noch Jahrzehnte spater mit aller intellektuellen Gewalt eine Tugend machen wollte! Was die Haltung gegenuber den Vatern angeht, so bin ich jedenfalls Junger ungleich naher als diesem franzosischen Philosophen, der die Vaterlosigkeit offenbar so hoch schatzte, dass er selbst nicht Vater werden wollte - aber vielleicht konnte er es einfach auch nicht. Sartre mochte noch so viel und noch so Schlaues schreiben: Einen ganz wesentlichen Aspekt sinnvollen Lebens scheint er nicht begriffen zu haben.

Posted by Gregor Brand at 8:09 PM BST
Updated: Tuesday, 24 May 2005 8:12 PM BST
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Sunday, 15 May 2005
Notiz zu Oscar Wilde

Auch Menschen, die wissen, dass sie immer richtig angezogen waren, konnen das Gefuhl haben, dass sie das Meiste in ihrem Leben falsch gemacht haben.

Posted by Gregor Brand at 12:12 PM BST
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Thursday, 12 May 2005
Politphilosophisches Epigramm

Hitler
war kein
Carl Schmittler.

Posted by Gregor Brand at 2:54 PM BST
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Schonheit und Mahnung
Ex divina pulchritudine esse omnium derivatur: Das Sein von allem leitet sich aus der gottlichen Schonheit ab. Ware dieser Gedanke des heiligen Thomas von Aquin auch eine passende Inschrift fur eine der Stelen des heute der Offentlichkeit zuganglich gemachten Holocaust-Mahnmals in Berlin?

Posted by Gregor Brand at 2:44 PM BST
Updated: Thursday, 12 May 2005 2:48 PM BST
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Wednesday, 11 May 2005
Deutsche Zukunft

Der Historiker - oder doch eher Publizist? - Joachim Fest meint in einem Interview, das deutsche Volk habe keine Vergangenheit mehr und konne deswegen auch keine Zukunft mehr haben. Andere deutsche Intellektuelle meinen anscheinend eher, die Deutschen hatten zuviel Vergangenheit als dass sie Zukunft haben konnten.

Die Deutschen werden so viel Zukunft haben, wie sie wollen.

Posted by Gregor Brand at 10:24 PM BST
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Ein judisches Problem

Seit fast 2000 Jahren ist auch dies ein judisches Problem: Jedes uberzeugende Argument eines Juden gegen das Christentum erzeugt eher einen Antisemiten als einen Antichristen.

Posted by Gregor Brand at 10:11 PM BST
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Lebenszeiten

Wenn ich so alt werde wie der gro?e Kabbalist Yitzchak Kadouri, dann habe ich noch mehr als 50 Jahre zu leben. Wenn ich so alt werde wie Friedrich Schiller, dann bin ich schon seit zwei Jahren tot - oder unsterblich.

Posted by Gregor Brand at 10:01 PM BST
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Sunday, 24 April 2005
Goethes Enkel

"Goethes Enkel" ware fur einen Essay uber die Deutschen ein gar nicht so unpassender Titel: Weil er einerseits das herausragende kulturelle Erbe der Deutschen erfassen wurde und andererseits auch die biologische Unterfruchtbarkeit der Deutschen zumindest kurz in den Blick nehmen konnte dadurch, dass mit einem solchen Titel auf Goethes reale kinderlosen Enkel verwiesen wurde, mit denen seine Nachkommenschaft im Abseits der Evolution endete.

Posted by Gregor Brand at 6:48 PM BST
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Saturday, 23 April 2005
Zur Schonheit einer Religion

Wenn eine Religion nicht wahr ist, ist sie nicht wirklich schon, mogen ihre Priester noch so schone Gewander tragen und ihre Riten noch so ehrwurdig alt und feierlich sein.

Posted by Gregor Brand at 3:28 PM BST
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Thursday, 21 April 2005
Der Ruf einer Universitat
Vor mehr als 100 Jahren meinte der Kirchenhistoriker Jakob Marx, der zeitweise Pfarrer meines Heimatdorfes Bettenfeld war: "Bei geringer Frequenz einer Universitat, geringer Besoldung ihrer Lehrer und mangelhaftem Lehrapparate steht niemals eine besondere Celebritat derselben zu erwarten."

An gleicher Stelle, im 2. Band seiner "Geschichte des Erzstifts Trier", notierte er speziell zur Universitat in Trier, dass dort "fast nichts von den furchterlichen Roheiten des Studentenlebens" zu finden sei.

Posted by Gregor Brand at 8:20 PM BST
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Wednesday, 20 April 2005
Seelenwanderung
Ich glaube an Seelenwanderung, aber ich bin froh, wenn mir bei meinen Wanderungen keine Seele begegnet.

Posted by Gregor Brand at 12:14 PM BST
Updated: Thursday, 21 April 2005 8:06 PM BST
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Homo sapiens
Hominem sapientem magis natura Deusque faciunt quam educatio.

Posted by Gregor Brand at 12:01 PM BST
Updated: Thursday, 21 April 2005 8:04 PM BST
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Papst und Teufel
Die BILD-Zeitung erscheint heute, an Hitlers Geburtstag, mit der Schlagzeile: "Wir sind Papst". Vielleicht hatte man aber auch zwei Ereignisse des 19. April 2005 unter der Schlagzeile zusammenfassen konnen: "Deutscher wird Papst. Teufel tritt zuruck!"

Posted by Gregor Brand at 11:54 AM BST
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Sein, Bewusstsein, Dichtung
Das Bewusstsein ist als Bewusst-Sein immer auch ein Kind des Seins. Alles, was uber das Bewusstsein gesagt wird, ist auch eine Aussage uber das Sein. Alles, was Werk des Bewusstseins ist, ist auch Werk des Seins. Wer neues Bewusstsein schafft, schafft neues Sein. "Dichtung ist worthafte Stiftung des Seins", schreibt Heidegger zu Recht. Aber nicht nur Dichtung, sondern jedes bewusste - und sogar jedes unbewusste - Sprechen ist worthafte Stiftung von Sein. Jedes Reden ist Stiftung von Sein - aber nicht jedes Reden ist Dichtung.

Posted by Gregor Brand at 11:49 AM BST
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Uber Schonheit
Martin Heidegger, der dunkelhaarige und braunaugige Deutsche, schrieb: "Die Schonheit ist ein Geschick des Wesens der Wahrheit" - und schloss sich damit einem Gedanken an, den vor ihm schon viele Philosophen - z. B. der katholische Thomas von Aquin - gedacht hatten und nach ihm andere Philosophen - zum Beispiel die Katholiken Etienne Gilson und Jacques Maritain - weiter dachten und weiter denken werden. Wahrheit essentiell mit Schonheit zu verbinden: Das ist schon. Aber die Schonheit hat auf Erden so viele Milliarden von Fursprechern, dass man sich fragen muss, ob sie auch noch der Heiligung durch Philosophen bedarf oder ob es nicht sinnvoll ware, wenn Philosophen zwar nicht die Hasslichkeit loben wurden, aber zumindest auf die Gefahren der Wertschatzung von Schonheit starker aufmerksam machen wurden. Es sollte fur Menschen Wichtigeres als Schonheit geben - es sei denn, man ist der Auffassung, dass das, was am wichtigsten ist, gerade deshalb, weil es das Wichtigste ist, als "schon" bezeichnet werden sollte.

Posted by Gregor Brand at 11:36 AM BST
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Monday, 18 April 2005
De sapientia
Sapientia amica est et tristitiae et laetitiae.

Posted by Gregor Brand at 3:32 PM BST
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Sumoweisheit
Japanische Sumoringer fasten vormittags. So bleiben sie etwa 12 Stunden ohne Nahrungsaufnahme und ihr halbes Sumoleben ist mithin ein Fasten. In dieser alten Tradition scheint mir viel Sinn und Wissen zu liegen: Das Wissen, dass gerade die starksten Manner auch mit den kleinsten Lebewesen, zum Beispiel Darmbakterien, zurechtkommen mussen.

Posted by Gregor Brand at 9:26 AM BST
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