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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Sunday, 27 March 2005
Das Charisma einer Idee
Das Charisma einer philosophischen oder theologischen Idee ist fur ihre Wirksamkeit wichtiger als ihre inhaltliche Substanz.

Posted by Gregor Brand at 9:52 AM GMT
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Saturday, 26 March 2005
Der S-Typus

Der amerikanische Psychologe James McKeen Cattel schrieb 1947: "France was at all times primarily the country of abnormal psychology." Zum "Beweis" fur diese Behauptung nennt er die Namen von Liebeault, Charcot, Bernheim und Charcot.

Wenige Jahre zuvor war in Deutschland der allzu oft verunglimpfte und immer noch unterschatzte Psychologe und Philosoph Prof. Erich Jaensch (1883 - 1940) gestorben, der die gleiche Auffassung vertreten hatte und der dies damit erklarte, dass in Frankreich eben der von ihm so genannte S-Typus vorherrsche, der eine Vorliebe fur das Unnaturliche und Abseitige habe. Diesen S-Typus sah Jaensch vor allem bei Juden und Sudlandern vorherrschen, aber auch bei vielen - oft geistig sehr einflussreichen - Deutschen, etwa Martin Heidegger. Auch dies war deutsches Geistesleben im Nationalsozialismus: Der Prasident der Deutschen Gesellschaft fur Psychologie Erich Jaensch, selbst ein Freund der nationalsozialistischen Weltanschauung, bezeichnet das Denken des gleichfalls mit dem Nationalsozialismus sympathisierenden Philosophen Heidegger als krank.

Posted by Gregor Brand at 6:32 PM GMT
Updated: Thursday, 18 January 2007 8:47 AM GMT
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Wednesday, 23 March 2005
Der aktuelle Jean Paul
Jean Paul, obwohl vor zweihundert Jahren lebend, klingt teilweise sehr neu: wenn er beispielsweise schreibt, etwas sei "achttoll", oder wenn er sich einen Kunstlernamen zulegt, der von Jugendlichen heute eher mit einem Musiker aus der Karibik in Verbindung gebracht wird.

Posted by Gregor Brand at 9:50 AM GMT
Updated: Wednesday, 23 March 2005 9:50 AM GMT
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Hitler und Jean Paul
Hitler hat dazu beigetragen, dass man fast zusammenzuckt, wenn Jean Paul den "Nazionalcharakter" der Deutschen erwahnt.

Posted by Gregor Brand at 9:40 AM GMT
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Tuesday, 22 March 2005
Ein Zeitgenosse
Sein Name klingt urdeutsch, seine Herkunft ist deutsch-russisch-judisch, und seine Vorurteile sind grenzenlos wie alle Vorurteile.

Posted by Gregor Brand at 5:07 PM GMT
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Sunday, 20 March 2005
Emily Dickinson und der Begriff der Dichtung

Von Emily Dickinson stammt eine hochst dramatische Definition dessen, was Dichtung ("poetry") sei. Sie schrieb, wenn sie ein Buch lese und es mache ihren ganzen Korper so kalt, dass kein Feuer sie uberhaupt warmen konne, dann wisse sie, dass dies Dichtung sei. Wenn sie sich korperlich so fuhle, als wurde ihr die Spitze des Kopfes weggenommen, dann wisse sie, dass dies Dichtung sei. Sonst kenne sie keine Art, Dichtung zu erkennen.

Ein Gluck, dass es den meisten Dichtern anders ergeht und ergangen ist. Woran Dickinson Dichtung erkennt - ist daran nicht eher das Signum einer krankhaften Denkweise zu erkennen? Wer wirklich Dichtung auf solche extremen psychophysischen Reaktionen beschranken will, stellt sie in eine Ecke der kulturellen Welt, wo sie von ernstzunehmenden Menschen nur noch als abseitiges und letztlich vollig belangloses Phanomen registriert wird. Naturlich ist es kein Wunder, dass auf ein solches missratenes Verstandnis von Dichtkunst all diejenigen Wissenschaftler allzu gerne anspringen, die Gedichte eigentlich hassen, auch wenn sie sich, etwa als Literaturwissenschaftler, zeitlebens damit befassen. Dichtung darf nicht nur unter dem Aspekt des Erregungspotentials gesehen werden. Hat nicht der Bericht uber ein schandliches Verbrechen ein hundertfach gro?eres Erregungspotential als eine Ode von Horaz?




Posted by Gregor Brand at 8:21 PM GMT
Updated: Sunday, 20 March 2005 8:19 PM GMT
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Tuesday, 15 March 2005
Denkmaler
Es war ein Koblenzer, der Ernst Haeckel, den spater herausragenden deutschen Biologen seiner Zeit, fur die Zoologie gewonnen hat und so, abgesehen von seiner unmittelbaren eigenen wissenschaftlichen Leistung, auch auf diesem Umweg bleibenden Einfluss auf den Gang der Naturwissenschaft und des Denkens genommen hat: Johannes Muller. Intellektuell war der Biologe Muller vermutlich dem deutschen Kaiser Wilhelm I, dessen Denkmal auf dem Deutschen Eck in Mullers Heimatstadt steht, deutlich uberlegen. Aber gerade weil er so klug war, hatte Muller auch anerkannt, dass nicht nur Geistesriesen Denkmaler verdienen.


Posted by Gregor Brand at 8:14 PM GMT
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Sunday, 13 March 2005
Einsteins unterschatzte Intelligenz
Um die eigene Intelligenz im psychometrischen Sinn einigerma?en richtig beurteilen zu konnen, bedarf es zumindest gewisser Grundkenntnisse uber die allgemeine Intelligenzverteilung in einer Gesellschaft. Man muss nicht nur wissen, wozu man selbst kognitiv in der Lage ist, sondern auch eine Vorstellung haben, wozu andere geistig fahig sind. Nur intelligent oder auch hochst intelligent zu sein, reicht nicht aus, was man unter anderem an den grandiosen Selbstfehlbeurteilungen hoch begabter Menschen erkennen kann. Gerade solche Hochbegabte, die sich nicht mit Intelligenz als Fachbegriff der Psychologie beschaftigen oder die aus anderen Grunden eine zu geringe Meinung von sich haben, neigen dazu, sich selbst sehr unterschatzen. Sie halten sich erstaunlich oft fur "normal" und durchschnittlich - was sie aber in geistiger Hinsicht gerade nicht sind.

So hat beispielsweise Albert Einstein, dessen Geburtstag sich morgen jahrt, in geradezu absurder Bescheidenheit gemeint, er sei nicht intelligenter als der Durchschnitt, habe kein gutes Gedachtnis, begreife langsam ... Und Charles Darwin, herausragendes Mitglied einer von Hochbegabten strotzenden Familie, schrieb: " I have no great quickness of apprehension or wit which is so remarkable in some clever men ...". Viele weitere derartige Beispiele lie?en sich anfugen - woraus man aber andererseits nicht den Schluss ziehen sollte, alle sehr Intelligenten wurden sich unterschatzen.

Posted by Gregor Brand at 10:01 PM GMT
Updated: Sunday, 13 March 2005 10:04 PM GMT
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Thursday, 3 March 2005
Max Brod I
Mark H. Gelber schreibt im Metzler "Lexikon judischer Philosophen" (2003) uber Max Brod, er sei "einer der geistreichsten und meistbegabten judischen Denker, Dichter und Intellektuellen des 20. Jahrhunderts". Dieses au?erordentliche Lob erscheint angesichts der unglaublichen Anzahl judischer Denker des 20. Jahrhunderts gewagt und mutig, zumal wenn man bedenkt, dass es im Bereich geistiger Hochstleistungen kaum moglich ist, einzelne Personlichkeiten hinsichtlich ihrer intellektuellen Kapazitat angemessen wertend zu unterscheiden. Andererseits aber erscheint mir die Anerkennung fur Brod doch gerechtfertigt und berechtigt, denn allein schon sein als Jurastudent verfasster Roman "Schlo? Nornepygge" ist ein brilliantes Werk und man kann auch heute nur staunen, wozu jemand in einem solchen Alter vor hundert Jahren fahig war.

Posted by Gregor Brand at 8:57 AM GMT
Updated: Thursday, 3 March 2005 9:04 AM GMT
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Wednesday, 2 June 2004
Cioran I
Denken hei?t ubertreiben. Meinte Cioran in seinen CAHIERS 1957 - 1972. Ich finde, da hat er stark ubertrieben.


Im gleichen Werk bemerkte Cioran: "Les seuls types biens en Allemagne etaient les Juifs." Ich halte es demgegenuber fur keinen Fortschritt, antisemitische Vorurteile durch antigermanische zu ersetzen.

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Posted by Gregor Brand at 12:41 PM BST
Updated: Wednesday, 2 June 2004 12:50 PM BST
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Tuesday, 25 May 2004
Bekennende Genies
Wahren Genies verzeiht man meist selbst dann nicht, dass sie sich als solche bekennen, wenn sie eine uberzeugende Entschuldigung beifugen.

Posted by Gregor Brand at 10:26 AM BST
Updated: Friday, 28 May 2004 3:03 AM BST
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Luziditat
Wer chronisch luzide ist, der leidet und lasst leiden.

Posted by Gregor Brand at 10:22 AM BST
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Bleibende deutsche Worter
Es gibt manche Worter, die bleiben auch dann sehr deutsch, wenn sie gar nicht mehr gebraucht werden. Zum Beispiel: "Gummiknuppelgebrauch".

Posted by Gregor Brand at 10:18 AM BST
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Jugendliches Alter
In einem Nachruf auf den gro?en Steuerrechtler Albert Haensel, der 1933 als 38-Jahriger starb, hei?t es: "Er war trotz seiner Jugend ein Meister." Es ist schon, dass es Bereiche gibt, in denen man mit fast 40 Jahren noch als jung gilt.

Posted by Gregor Brand at 10:13 AM BST
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Ciorans Gehirn
"Mon cerveaux n'est pas en tres bon etat", schrieb Cioran an einem seiner Pariser Tage in seine CAHIERS und druckte damit gleichzeitig eine Wahrheit aus, die viele an vielen Tagen mit Recht aussprechen konnten.


Posted by Gregor Brand at 10:06 AM BST
Updated: Sunday, 27 March 2005 9:49 AM GMT
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Neologismus
Manche Wortneubildungen sind wundervoll, aber bleiben es nur so lange, wie sie nicht allgemein ubernommen worden. Wenn sie in den allgemeinen Sprachgebrauch ubergehen wurden, verloren sie ihre witzige Originalitat. Ich denke hier z. B. an Roda Rodas kostliche Angabe uber seinen Beruf: "Schriftstellereibesitzer".

Posted by Gregor Brand at 9:58 AM BST
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Friday, 26 March 2004
Ja und Nein
Zum Jasager wird man erzogen, zum Neinsager wird man geboren.


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Posted by Gregor Brand at 7:28 PM GMT
Updated: Wednesday, 14 April 2004 9:50 AM BST
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Das Alter der Gedanken
Jungere Gedanken sind nur ausnahmsweise neue Gedanken.

Posted by Gregor Brand at 7:24 PM GMT
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Jugend und Alter
Der Jugend kann man, wenn man Gluck hat, lebend entkommen, dem Alter aber nicht.

Posted by Gregor Brand at 7:22 PM GMT
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Weltsprachen
Weltsprachen sind diejenigen Sprachen, an denen am meisten Blut und Sperma klebt.

Posted by Gregor Brand at 7:19 PM GMT
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