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GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Sunday, 19 August 2007
Die Tiere des Gehirntiers Lagarde

Professor Paul de Lagardes Ausdrucksweise war - zumindest in seinen nichtprofessoralen Schriften und Briefen - ausgesprochen unprofessoral und oft abstoßend. Vor allem scheint er eine Vorliebe dafür gehabt zu haben, Menschen mit von ihm negativ aufgefassten Tierbezeichnungen zu benennen. So nennt er, um nur diese Beispiele aus Ulrichs Siegs Biographie zu erwähnen, Journalisten schlicht  "Reptilien"    (S. 194) und bezeichnet deutsche Wanderer abfällig als "rauchende Pithekoiden (S. 192) - also Affenmenschen. Wenn man bedenkt, wie oft Lagarde solche Ausdrücke gegenüber nichtjüdischen Deutschen verwendet, dann könnte man fast zum Schluss kommen, er sei nicht weniger deutschenkritisch als judenkritisch gewesen. 


Posted by Gregor Brand at 10:48 PM BST
Updated: Thursday, 2 February 2012 10:21 AM GMT
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Arno Schmidt und Paul de Lagarde

Arno Schmidt hat in einem seiner Essays, vermutlich nicht ohne dabei auch an sich selbst zu denken, die Auffassung vertreten, überragende Geistigkeit und Gelehrsamkeit vertrügen sich nicht mit einem gefälligen Charakter. "Gehirntiere", wie er solche Menschen mit einem widerwärtig-misslungenen Ausdruck zu bezeichnen pflegte, hätten gewissermaßen angesichts ihrer exorbitanten Bildung und Intelligenz keinen Platz mehr im Gehirn für die Ausbildung eines guten Charakters. Auch wenn ich von dieser Meinung wenig halte, so sollte man doch vielleicht gerade im Fall des Gelehrten Paul de Lagarde berücksichtige, dass dieser extrem arbeitsame Mensch, angefüllt mit der Kenntnis unzähliger semitischer und nichtsemitischer Sprachen und Kulturen, vielleicht wirklich zu wenig Zeit gehabt hat für eine differenzierte Beschäftigung mit der sonstigen Wirklichkeit. Insofern könnte man seine zahlreichen unappetitlichen Ausdrücke gegenüber bestimmten Menschengruppen nicht in erster Linie als Ausdruck  einer durchdachten Einstellung sehen, sondern als seine spezielle Form zur Reduktion einer Komplexität, die er aus Zeitgründen nicht anders erfassen konnte.      


Posted by Gregor Brand at 11:42 AM BST
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Saturday, 18 August 2007
Max Brod und Napoleon

 

Dass Max Brod Napoleon kritisiert hat, statt ihn wie wie Hegel zu feiern - das gehört auch zu den Punkten, die mir den Prager Dichter und Denker sympathisch machen.


Posted by Gregor Brand at 12:06 AM BST
Updated: Sunday, 9 November 2008 1:47 PM GMT
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Friday, 17 August 2007
Die Frauenverachtung des Walther Rathenau

 Der 1922 einem Terroranschlag zum Opfer gefallene Millionär, Autor und Politiker Walther Rathenau schaffte es zu Lebzeiten, sich ein beachtliches Image aufzubauen. Davon zehrt sein Ruf bis heute. Er wird immer noch wesentlich zu unkritisch betrachtet. Beispielhaft zeigt sich das etwa in dem aktuellen Wikipedia-Artikel über ihn, der zu seinem Nachleben nur Sebastian Haffners maßlose Lobeshymne über ihn zitiert. Man könnte für diese unkritische Idealisierung zahlreiche weitere Beispiele nennen. So erwähnt der freie Historiker Gerd Koenen in einem ansonsten sehr verdienstvollen Beitrag die angeblich „glanzvollen Brandreden des Junggesellen an der Spitze der AEG“ in Rathenaus Buch „Von kommenden Dingen“. Wenn man sich diese Ausführungen allerdings unbefangen und nüchtern anschaut, dann verblasst der auch von den damaligen Medien aufgebauschte Glanz des überaus einflussreichen Politstars recht schnell und zum Vorschein kommen oberflächliche Betrachtungen eines ausgeprägten Frauenfeindes. Unabhängig von der Frage, ob Rathenau homosexuell war oder nicht, lohnt es sich, seine Ausführungen näher zu betrachten. So schreibt er: „Der furchtbare Verfall der gewerblichen Künste seit achtzig Jahren, den das ernsteste Bestreben nicht aufzuhalten vermag, fällt weit weniger der Maschine als der kaufenden Frau zur Schuld. Denn ihr fehlt der Blick fürs Handwerkliche, fürs Tüchtige, Brauchbare und Echte, vor allem für Maß und Kunst; es fehlt ihr auch die Festigkeit des Willens zum Notwendigen, die Unabänderlichkeit des Entschlusses; sie unterliegt dem Reiz, der flüchtigen Ähnlichkeit mit Gediegenem, der Gelegenheit, dem glänzenden Schein, der trügerischen Rechnung, dem Geschwätz des Verkäufers.“   (Von kommenden Dingen, Berlin 1917, S. 182).  Solche Sätze muss man mit Ruhe und Bedacht lesen: Die darin zum Ausdruck kommende manifeste Frauenverachtung – vor allem, was das angeblich der Frau fehlende angeht – straft allein schon manche Lobhudelei Rathenaus Lügen. Rathenau spricht weiter von „Weibernarrheit“ (S. 184) und bilanziert zuungunsten der Frauen: „Die sittliche Folge dieser Laster ist schwer, die wirtschaftliche und soziale ist unermeßlich.“  Mitten im Ersten Weltkrieg, wo sich eigentlich jeder das – hier nun wirklich unermessliche – Leid und die Tränen von Millionen trauernder Frauen, Männer und Kinder vorstellen kann, besitzt Rathenau die Unverschämtheit zu schreiben, dass bei den Frauen  „das Hundertfache der Tränen, die sie durch stille Wohltat trocknen, an den harmlosen Nichtigkeiten haftet, die sie in Schachteln, Paketen und Gefährten in ihre Häuser schleppen lassen“ (S. 185).   Nach weiteren derartigen Ausführungen kommt eine von Rathenaus angeblichen – siehe Haffner – genialen Weisheiten: „Die Schuld für jede Schlechtigkeit des Mannes trägt die Mutter ...“ (S. 185).  Wenn Rathenau in diesem Zusammenhang überhaupt etwas an den Männern zu kritisieren hat, dann im Grunde nur, dass sie der irrenden und erkenntnisschwachen Frau nicht den richtigen Weg und das Ziel weisen. Was Rathenau sich unter diesem Ziel vorstellt, bleibt im Wesentlichen hinter pathetischem Wortgeklingel („Wandlung zu hoher Menschlichkeit ist das erste Ziel“, S. 186) verborgen; allenfalls die „Verachtung käuflichen Glücks, albernen Schmucks und schnöden Müßiggangs“ ist als konkrete Forderung an die Frauen hier erkennbar.    Von der nicht weniger stark bei Rathenau ausgeprägten Verachtung der ganz großen Mehrheit des Volkes, die der damalige AEG-Boss mit verächtlichen Charakterisierungen überschüttet, soll ein anderes Mal an dieser Stelle die Rede sein.


Posted by Gregor Brand at 12:54 AM BST
Updated: Thursday, 6 September 2007 9:30 PM BST
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Tuesday, 14 August 2007
Hilfloser Philosemitismus

Johannes Rogalla von Bieberstein wusste offenbar bei der Abfassung seines Buches über den jüdischen Bolschewismus, wie problematisch das Thema war und wie leicht schon die Titelzeichnung - Hammer und Sichel in einem Davids-stern - als antisemitisch wahrgenommen werden konnte.  Dementsprechend hat er sich in seinem Buch erkennbar alle Mühe gegeben, eventuellen antisemitischen Vorwürfen von vornherein die Grundlage zu entziehen. Er widmete das Buch dem jüdischen Autor Leon Poliakov, er ließ für seine Thesen wo es nur ging jüdische Gewährsleute auftreten und legte sogar seitenlang dar, wie antinationalsozialistisch gesinnt seine Adelsfamilie gewesen war und wie vielfach sie mit Juden befreundet oder versippt war. Der Gipfel dieser hilflosen Anbiederei ist erreicht, wenn Rogalla von Bieberstein ausführt, dass ein Vetter seiner Mutter eine "halb-jüdische Großnichte des berühmten Baron Moritz Hirsch geheiratet" hat.  Dies klingt doch allzu sehr nach einer Argumentation wie: Ich kann schon deswegen  kein Antisemit sein, weil der Schwiegervater einer Kusine meiner Urgroßmutter mit dem Enkel eines Rabbiners befreundet war.

Ich habe den Eindruck, dass man Rogalla von Bieberstein eher christlich begründeten Philosemitismus vorwerfen kann  als irgendeine Form von Anti-semitismus. All dies beeinträchtigt allerdings nicht den Wert seines Werkes und es wäre vielleicht auch nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht sympto-matisch den subjektiven Rechtfertigungsdruck aufzeigen würde, unter dem die meisten nichtjüdischen  Deutschen, wenn sie sich zu jüdischen Fragen äußern,  anscheinend  stehen.


Posted by Gregor Brand at 10:14 PM BST
Updated: Sunday, 9 November 2008 1:57 PM GMT
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Monday, 2 July 2007
Hirt und Herde

Hirten nennen diejenigen Herden gesegnet, deren Aberntung und Schlachtung den größten Ertrag bringt.

 


Posted by Gregor Brand at 9:38 AM BST
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Das gro?te deutsche Genie

 

Wenn man den deutsch-jüdischen Philosophen Ernst Cassirer und Hermann Cohen glauben kann - und warum sollte man ihnen nicht glauben? - , dann muss bei der Frage nach dem klügsten deutschen Kopf aller Zeiten immer auch an meinen moselfränkischen Landsmann und vielfach mit mir verwandten Nikolaus von Kues gedacht werden. Dabei ist sogar noch zu bedenken, dass Cusanus in diese engste Wahl gehört, obwohl er ein zölibatärer katholischer Kardinal war, also exponierter Vertreter einer Religion und Lebensweise, die weder Cassirer, Cohen noch ich für besonders bewundernswert halten.  


Posted by Gregor Brand at 9:12 AM BST
Updated: Monday, 2 July 2007 9:34 AM BST
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Tuesday, 26 June 2007
Das Bose

Was keine Schmerzen verursacht, kann alles sein - nur nicht bose.

Posted by Gregor Brand at 11:50 PM BST
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Traurige Schonheit

Unglucklichsein sieht auf schonen Gesichtern am traurigsten aus.

Posted by Gregor Brand at 11:45 PM BST
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Die besten Aphorismen

Die besten Aphorismen sind jene, die Gott in seinen schlaflosen Nachten den Engeln vorliest.

Posted by Gregor Brand at 11:40 PM BST
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Sunday, 24 June 2007
Wehrhafte Gedanken

Was leicht unterschatzt wird: die Wildheit und der Uberlebenswille verwundeter Gedanken und Ideen.

Posted by Gregor Brand at 2:57 PM BST
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Thursday, 14 June 2007
Weltgeschichte

Ein betrachtlicher Teil der Weltgeschichte ist Weltkindergarten.

Posted by Gregor Brand at 11:42 PM BST
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Das Buch eines Sechzehnjahrigen
Eines der Bucher, die ich als Sechzehnjahriger in Prum/Eifel las: Bruno Snells "Die Entdeckung des Geistes. Studien zur Entstehung des europaischen Denkens bei den Griechen". Dieses in Hamburg zwei Jahre vor meiner Geburt veroffentlichte Buch hat mich - meine Seele, mein Gehirn, meine Korperseele und meinen Seelenkorper - verandert: wenn auch vielleicht nur ein wenig mehr, als jedes gelesene Buch einen Menschen verandert. 

Posted by Gregor Brand at 11:38 PM BST
Updated: Thursday, 2 February 2012 10:25 AM GMT
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Industrivialisierung

Die Industrivialisierung der Kultur scheint im Westen genauso so schnell Fortschritte zu machen wie im Industal. Wer bei solchen Fortschritten vorn liegt, hat keinen Grund, darauf besonders stolz zu sein, sondern macht vielmehr die gro?ten Ruckschritte.

Posted by Gregor Brand at 11:24 PM BST
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Sunday, 10 June 2007
Gregor Samsa
Gregor Samsa ist weltberuhmt, obwohl er nichts anderes geleistet hat, als scheinbar ein Ungeziefer zu werden. Menschen, die fur Ungeziefer gehalten werden, haben gro?ere Chancen, beruhmt zu werden, auch wenn sie diese Prominenz weder wollen noch lange uberleben.

Posted by Gregor Brand at 11:25 AM BST
Updated: Sunday, 10 June 2007 9:41 PM BST
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Deutsch-chinesische Kultur
Es spricht fur den hohen Wert deutscher Kultur, dass sich Deutsche anscheinend fruher uber chinesische Kultur Gedanken gemacht haben als Chinesen uber deutsche. Sich fruher Gedanken zu machen, ist immer ein Zeichen hoherer Kultur.

Posted by Gregor Brand at 11:22 AM BST
Updated: Sunday, 10 June 2007 9:43 PM BST
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The most ingenious way

The most ingenious way of becoming foolish is by science, philosophy or religion.

Posted by Gregor Brand at 11:12 AM BST
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Der bose Gott

Konnten schwer demenzkranke Menschen au?er durch ihr Leben auch noch mit Worten philosophieren, so wurden sie vielleicht ewige Wahrheiten verkunden - wie zum Beispiel die: Gott ist bose.

Das wiederum wurde die Frage aufwerfen, ob die Erkenntnis, dass Gott bose ist, nicht eine demente Wahrheit ist.

Posted by Gregor Brand at 11:08 AM BST
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Sunday, 3 June 2007
Via negativa
gott ist nicht
weniger tetra-
grammaton als
hexagrammaton



Posted by Gregor Brand at 10:59 PM BST
Updated: Monday, 4 June 2007 8:57 AM BST
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Friday, 1 June 2007
Nietzsche, kriminell

Nietzsche fiel zu Verbrechern nichts Besseres ein, als sie dafur zu kritisieren, dass sie nicht mit gutem Gewissen handeln.

Posted by Gregor Brand at 11:59 PM BST
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