3 Sep, 07 > 9 Sep, 07
20 Aug, 07 > 26 Aug, 07
13 Aug, 07 > 19 Aug, 07
2 Jul, 07 > 8 Jul, 07
25 Jun, 07 > 1 Jul, 07
11 Jun, 07 > 17 Jun, 07
4 Jun, 07 > 10 Jun, 07
28 May, 07 > 3 Jun, 07
21 May, 07 > 27 May, 07
14 May, 07 > 20 May, 07
7 May, 07 > 13 May, 07
30 Apr, 07 > 6 May, 07
23 Apr, 07 > 29 Apr, 07
16 Apr, 07 > 22 Apr, 07
2 Apr, 07 > 8 Apr, 07
19 Mar, 07 > 25 Mar, 07
12 Mar, 07 > 18 Mar, 07
5 Mar, 07 > 11 Mar, 07
26 Feb, 07 > 4 Mar, 07
19 Feb, 07 > 25 Feb, 07
5 Feb, 07 > 11 Feb, 07
29 Jan, 07 > 4 Feb, 07
22 Jan, 07 > 28 Jan, 07
15 Jan, 07 > 21 Jan, 07
8 Jan, 07 > 14 Jan, 07
1 Jan, 07 > 7 Jan, 07
25 Dec, 06 > 31 Dec, 06
18 Dec, 06 > 24 Dec, 06
4 Dec, 06 > 10 Dec, 06
27 Nov, 06 > 3 Dec, 06
20 Nov, 06 > 26 Nov, 06
13 Nov, 06 > 19 Nov, 06
6 Nov, 06 > 12 Nov, 06
23 Oct, 06 > 29 Oct, 06
16 Oct, 06 > 22 Oct, 06
2 Oct, 06 > 8 Oct, 06
18 Sep, 06 > 24 Sep, 06
11 Sep, 06 > 17 Sep, 06
28 Aug, 06 > 3 Sep, 06
7 Aug, 06 > 13 Aug, 06
24 Jul, 06 > 30 Jul, 06
17 Jul, 06 > 23 Jul, 06
10 Jul, 06 > 16 Jul, 06
3 Jul, 06 > 9 Jul, 06
19 Jun, 06 > 25 Jun, 06
5 Jun, 06 > 11 Jun, 06
22 May, 06 > 28 May, 06
1 May, 06 > 7 May, 06
6 Mar, 06 > 12 Mar, 06
20 Feb, 06 > 26 Feb, 06
16 Jan, 06 > 22 Jan, 06
2 Jan, 06 > 8 Jan, 06
26 Dec, 05 > 1 Jan, 06
12 Dec, 05 > 18 Dec, 05
7 Nov, 05 > 13 Nov, 05
31 Oct, 05 > 6 Nov, 05
24 Oct, 05 > 30 Oct, 05
10 Oct, 05 > 16 Oct, 05
26 Sep, 05 > 2 Oct, 05
19 Sep, 05 > 25 Sep, 05
5 Sep, 05 > 11 Sep, 05
29 Aug, 05 > 4 Sep, 05
22 Aug, 05 > 28 Aug, 05
18 Jul, 05 > 24 Jul, 05
11 Jul, 05 > 17 Jul, 05
27 Jun, 05 > 3 Jul, 05
13 Jun, 05 > 19 Jun, 05
6 Jun, 05 > 12 Jun, 05
30 May, 05 > 5 Jun, 05
23 May, 05 > 29 May, 05
16 May, 05 > 22 May, 05
9 May, 05 > 15 May, 05
25 Apr, 05 > 1 May, 05
18 Apr, 05 > 24 Apr, 05
4 Apr, 05 > 10 Apr, 05
28 Mar, 05 > 3 Apr, 05
21 Mar, 05 > 27 Mar, 05
14 Mar, 05 > 20 Mar, 05
28 Feb, 05 > 6 Mar, 05
31 May, 04 > 6 Jun, 04
24 May, 04 > 30 May, 04
29 Mar, 04 > 4 Apr, 04
22 Mar, 04 > 28 Mar, 04
15 Mar, 04 > 21 Mar, 04
8 Mar, 04 > 14 Mar, 04
16 Feb, 04 > 22 Feb, 04
9 Feb, 04 > 15 Feb, 04
5 Jan, 04 > 11 Jan, 04
22 Dec, 03 > 28 Dec, 03
15 Dec, 03 > 21 Dec, 03
8 Dec, 03 > 14 Dec, 03
|
|
GREGOR BRAND : LIBER PHILOSOPHICUS
Wednesday, 5 September 2007
Walter Benjamins Todsünde
Walter Benjamin bezeichnete es als „Todsünde, den Geist natürlich zu machen.“ Dieser Gedanke, dass der Geist und damit Gott nicht natürlich ist, ist ein immer wieder von jüdischen Denkern herausgestellter – und von den meisten Christen übernommener - Leitgedanke ihrer religiösen Weltsicht. Die völlige Andersheit und Unvereinbarkeit von Gott und Natur wird von Hermann Cohen nicht weniger als von Samuel Hirsch, von Maimonides nicht weniger als vom Maharal, in immer neuen Anläufen betont. Die gegenteilige Auffassung hat – unter anderem - mit großer Klarheit der deutsche Philosoph Ernst Bergmann betont. Im Kommentar zu seiner 9. These der Deutschreligion (Die 25 Thesen der Deutschreligion. Ein Katechismus. Breslau 1934) schreibt er: „So entsteht der zweite Hauptsatz der Deutschgotteslehre wie einer natürlichen Gotteslehre überhaupt, nämlich der Satz: Geist ist ein Naturgewachsenes der Wirklichkeitswelt. Ohne Welt ist kein Geist. Einen absoluten, d. h. weltunabhängigen Geist gibt es nicht.“ Damit sind die Gegensätze, um die sich die Auffassung Gottes und die religiöse Grundeinstellung seit vielen Jahrhunderten gruppieren, klar markiert. Wenn man in dieser Frage Position bezieht, so sollte man sich zunächst nicht vom Gewicht der Namen der hier erwähnten Proponenten zu voreiliger Parteinahme verleiten lassen. Dass Hermann Cohen und Walter Benjamin ungleich bekannter geworden sind als Bergmann - von ähnlich wie der "Deutschphilosoph" Bergmann, sagt nichts über die Wahrheit ihrer Auffassungen aus. Jeder frage sich vielmehr selbst, ob er an einen weltunabhängigen Geist glaubt oder nicht vielmehr Geist für etwas hält, was es in der Welt gibt und auch nur gibt, solange es Welt gibt.
Schöntrinken
Nur eine Minderheit der Menschen und Gedanken lässt sich schöntrinken.
Monday, 3 September 2007
Erich Jaensch und die Achtung der Völker
Der wichtige deutsche Psychologe und Philosoph Erich Jaensch (1883 - 1940) hatte schon zu Lebzeiten mit einer ihm auf weite Strecken feindselig gesonnenen philosophischen Zeitgenossenschaft zu kämpfen. Viele nahmen dem stark empirisch orientierten Denker übel, dass er den unerlässlichen Bezug der Philosophie zur psychologischen Wissenschaft und zu den Naturwissenschaften generell stark betonte und sie verübelten ihm besonders, dass er den sogenannten Neukantianismus seines Lehrstuhl-Vorgängers Hermann Cohen – einer Paradefigur moderner jüdischer Philosophie - in den Gesamtzusammenhang jüdischen Denkens stellte und Cohens jüdisch geprägtes Denken als wirklichkeitsverfehlend darzustellen wagte. Als bekennender Kritiker jüdischen philosophischen Denkens à la Cohen wird Erich Jaensch seit dem Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig ignoriert und vielfach aufs Gröbste verleumdet. Aus der Tatsache, dass er Mitglied der NSDAP wurde und sich öffentlich zum nationalsozialistischen Staat bekannte, wird immer noch voreilig und gedankenlos geschlossen, dass er damit gewissermaßen automatisch jede böse Handlung des Dritten Reiches und jedes während dieser Zeit geäußerte verwerfliche Gedankengut gebilligt habe. Leider wissen noch allzu wenige, wie heterogen und antagonistisch das Denken derjenigen war, die im Dritten Reich auf hohem Niveau gedacht und geforscht haben: Dies gilt besonders auf dem verhältnismäßig kleinen Bereich der Philosophie. Hier werden mit weiterhin zunehmender und manchmal verzweifelt anmutender Vehemenz Philosophen als Nationalsozialisten bezeichnet, die ganz unterschiedlich gedacht haben und sich teilweise sogar heftig bekämpften. Es wäre interessant zu wissen, ob diejenigen, die beispielsweise Martin Heidegger mit seiner Einordnung als Nationalsozialisten posthum intellektuell zu erledigen versuchen, auch Erich Jaensch, einen ausdrücklichen philosophischen Gegner Heideggers, als Nationalsozialisten selektionieren. Wenn beide sehr unterschiedlichen und verfeindeten Denker nationalsozialistische Philosophen waren – was ist dann nationalsozialistische Philosophie? Erich Jaensch bewies, dass man Nationalsozialist sein konnte, ohne eine völkermörderische Gesinnung zu haben. Der sehr produktive Anthropologe und Kulturphilosoph Jaensch betonte in seinem kulturkritischen Hauptwerk „Der Gegentypus“ (Leipzig 1938) – von dem selbst Professoren heute oft nicht mehr als den missverständlichen und missverstandenen Titel kennen – vielmehr, dass von der geistigen Konzeption her seiner Ansicht nach das Gegenteil der Fall ist. Unter der Überschrift: „Die anthropologische Denkweise der deutschen Bewegung befördert nicht den Gegensatz, sondern die Verständigung zwischen den Völkern“ schrieb Jaensch etwa (S. 194): „Unsere deutsche Bewegung betont zwar aufs stärkste die völkische Selbstachtung, aber sie ist zugleich aufs weiteste davon entfernt, diejenige der anderen anzutasten. Ihr Ideal ist die ritterliche Achtung und Selbstachtung der Völker.“ Im gleichen Buch und Jahr, als der Nationalsozialismus in voller Blüte stand, schrieb Jaensch, der zwar - wie so viele Große von Tacitus über Augustinus bis Schopenhauer - Kritiker des Judentums war (wie er auch Kritiker von Descartes und weiten Teilen der neuzeitlichen Kultur) - , aber eben kein Antisemit, anerkennend über den jüdischen Mathematiker Georg Cantor: „Cantor gehört zu denjenigen Vertretern jüdischer Wissenschaft, deren Lauterkeit unantastbar ist.“ Und über seinen berühmten Gegenspieler Hermann Cohen bemerkte Jaensch nicht weniger bewundernd: "Cohen war in seiner Art ein ganzer Mann, dem auch der antipodisch denkende Gegener Achtung zollen muß." (Der Gegentypus, S. 75). Ein derart positives Urteil - und das öffentlich und im Jahr 1938 durch den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Psychologie - über Cohen zeigt einmal mehr, wie falsch und vourteilsvoll es ist, wenn die Ablehnung der Philosophie Cohens durch seinen Nachfolger als Ausdruck von persönlicher antijüdischer Feindschaft gedeutet wird. Wenn dies trotzdem behauptet wird, dann stellt dies nichts anderes als eine Verleumdung von Denken und Person Erich Jaenschs dar.
Friday, 31 August 2007
Ulrich Bergmann (1918 - 1940)
Christian Tilitzki hat in seinem sehr materialreichen und informativen zweibändigen Werk über "Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich" (Berlin 2002) in einer Fußnote auch einige biographische Angaben zu dem - leider auch von ihm viel zu wenig und zu einseitig gewürdigten - Philosophen Ernst Bergmann gemacht. Dabei sind ihm einige Fehler unterlaufen, die Bergmanns Sohn betreffen: Ernst Bergmanns Erstgeborener hieß nicht - wie Tilitzki angibt - Peter, sondern Ulrich, und er ist nicht 1941, sondern bereits 1940 gefallen. Wer das von Tilitzki erwähnte, aber von ihm offensichtlich nicht gelesene ergreifende Gedenkbuch von Ernst Bergmann mit dem Titel "Denkmal meines Sohnes Ulrich" (Leipzig 1941) liest, der wird verstehen, dass ein so hochbegabter und vielversprechender junger Mann wie Ulrich Bergmann es posthum verdient hat, dass man seinen Namen richtig wiedergibt und seine Lebensdaten auch. Aber selbst, wenn der junge Mathematik- und Physikstudent Bergmann, über den der Physiker Prof. Friedrich Hund schrieb "Heisenberg und ich verlieren in ihm einen unserer hoffnungsvollsten Schüler", weniger begabt gewesen wäre, so ist es gewiss nicht falsch, seiner auch noch nach vielen Jahrzehnten zu gedenken und vielleicht den ein oder anderen auf das liebevolle Gedenkbuch seines Vaters aufmerksam zu machen. Laut Tilitzki war Ulrich Bergmanns Mutter - Ernst Bergmanns erste Frau -Jüdin. Wenn diese Angabe zutreffend ist, so wäre dies schon insofern bemerkenswert, als die Philosophie und Religion seines deutschreligiösen Vaters sich ungewöhnlich stark und klar vom jüdischen und christlichen Gottesbegriff und damit zusammenhängenden Vorstellungen abgesetzt hat. Darüberhinaus läge dann bei Ulrich Bergmann der Fall vor, dass jemand, der nach halachischer Auffassung Jude ist, sich voller Überzeugung - soweit bekannt - für das damalige Deutsche Reich eingesetzt hat. Eine ungewöhnliche biographische Konstellation, die zu vielfältigen weiteren Reflexionen Anlass geben kann.
Sunday, 19 August 2007
Arno Schmidt und Paul de Lagarde
Arno Schmidt hat in einem seiner Essays, vermutlich nicht ohne dabei auch an sich selbst zu denken, die Auffassung vertreten, überragende Geistigkeit und Gelehrsamkeit vertrügen sich nicht mit einem gefälligen Charakter. "Gehirntiere", wie er solche Menschen mit einem widerwärtig-misslungenen Ausdruck zu bezeichnen pflegte, hätten gewissermaßen angesichts ihrer exorbitanten Bildung und Intelligenz keinen Platz mehr im Gehirn für die Ausbildung eines guten Charakters. Auch wenn ich von dieser Meinung wenig halte, so sollte man doch vielleicht gerade im Fall des Gelehrten Paul de Lagarde berücksichtige, dass dieser extrem arbeitsame Mensch, angefüllt mit der Kenntnis unzähliger semitischer und nichtsemitischer Sprachen und Kulturen, vielleicht wirklich zu wenig Zeit gehabt hat für eine differenzierte Beschäftigung mit der sonstigen Wirklichkeit. Insofern könnte man seine zahlreichen unappetitlichen Ausdrücke gegenüber bestimmten Menschengruppen nicht in erster Linie als Ausdruck einer durchdachten Einstellung sehen, sondern als seine spezielle Form zur Reduktion einer Komplexität, die er aus Zeitgründen nicht anders erfassen konnte.
Saturday, 18 August 2007
Max Brod und Napoleon
Dass Max Brod Napoleon kritisiert hat statt ihn wie wie Hegel zu feiern, das gehört auch zu den Punkten, die mir den Prager Dichter und Denker sympathisch machen.
Friday, 17 August 2007
Die Frauenverachtung des Walther Rathenau
Der 1922 einem Terroranschlag zum Opfer gefallene Millionär, Autor und Politiker Walther Rathenau schaffte es zu Lebzeiten, sich ein beachtliches Image aufzubauen. Davon zehrt sein Ruf bis heute. Er wird immer noch wesentlich zu unkritisch betrachtet. Beispielhaft zeigt sich das etwa in dem aktuellen Wikipedia-Artikel über ihn, der zu seinem Nachleben nur Sebastian Haffners maßlose Lobeshymne über ihn zitiert. Man könnte für diese unkritische Idealisierung zahlreiche weitere Beispiele nennen. So erwähnt der freie Historiker Gerd Koenen in einem ansonsten sehr verdienstvollen Beitrag die angeblich „glanzvollen Brandreden des Junggesellen an der Spitze der AEG“ in Rathenaus Buch „Von kommenden Dingen“. Wenn man sich diese Ausführungen allerdings unbefangen und nüchtern anschaut, dann verblasst der auch von den damaligen Medien aufgebauschte Glanz des überaus einflussreichen Politstars recht schnell und zum Vorschein kommen oberflächliche Betrachtungen eines ausgeprägten Frauenfeindes. Unabhängig von der Frage, ob Rathenau homosexuell war oder nicht, lohnt es sich, seine Ausführungen näher zu betrachten. So schreibt er: „Der furchtbare Verfall der gewerblichen Künste seit achtzig Jahren, den das ernsteste Bestreben nicht aufzuhalten vermag, fällt weit weniger der Maschine als der kaufenden Frau zur Schuld. Denn ihr fehlt der Blick fürs Handwerkliche, fürs Tüchtige, Brauchbare und Echte, vor allem für Maß und Kunst; es fehlt ihr auch die Festigkeit des Willens zum Notwendigen, die Unabänderlichkeit des Entschlusses; sie unterliegt dem Reiz, der flüchtigen Ähnlichkeit mit Gediegenem, der Gelegenheit, dem glänzenden Schein, der trügerischen Rechnung, dem Geschwätz des Verkäufers.“ (Von kommenden Dingen, Berlin 1917, S. 182). Solche Sätze muss man mit Ruhe und Bedacht lesen: Die darin zum Ausdruck kommende manifeste Frauenverachtung – vor allem, was das angeblich der Frau fehlende angeht – straft allein schon manche Lobhudelei Rathenaus Lügen. Rathenau spricht weiter von „Weibernarrheit“ (S. 184) und bilanziert zuungunsten der Frauen: „Die sittliche Folge dieser Laster ist schwer, die wirtschaftliche und soziale ist unermeßlich.“ Mitten im Ersten Weltkrieg, wo sich eigentlich jeder das – hier nun wirklich unermessliche – Leid und die Tränen von Millionen trauernder Frauen, Männer und Kinder vorstellen kann, besitzt Rathenau die Unverschämtheit zu schreiben, dass bei den Frauen „das Hundertfache der Tränen, die sie durch stille Wohltat trocknen, an den harmlosen Nichtigkeiten haftet, die sie in Schachteln, Paketen und Gefährten in ihre Häuser schleppen lassen“ (S. 185). Nach weiteren derartigen Ausführungen kommt eine von Rathenaus angeblichen – siehe Haffner – genialen Weisheiten: „Die Schuld für jede Schlechtigkeit des Mannes trägt die Mutter ...“ (S. 185). Wenn Rathenau in diesem Zusammenhang überhaupt etwas an den Männern zu kritisieren hat, dann im Grunde nur, dass sie der irrenden und erkenntnisschwachen Frau nicht den richtigen Weg und das Ziel weisen. Was Rathenau sich unter diesem Ziel vorstellt, bleibt im Wesentlichen hinter pathetischem Wortgeklingel („Wandlung zu hoher Menschlichkeit ist das erste Ziel“, S. 186) verborgen; allenfalls die „Verachtung käuflichen Glücks, albernen Schmucks und schnöden Müßiggangs“ ist als konkrete Forderung an die Frauen hier erkennbar. Von der nicht weniger stark bei Rathenau ausgeprägten Verachtung der ganz großen Mehrheit des Volkes, die der damalige AEG-Boss mit verächtlichen Charakterisierungen überschüttet, soll ein anderes Mal an dieser Stelle die Rede sein.
Tuesday, 14 August 2007
Hilfloser Philosemitismus
Johannes Rogalla von Bieberstein wusste offenbar bei der Abfassung seines Buches über den jüdischen Bolschewismus, wie problematisch das Thema war und wie leicht schon die treffende Titelzeichnung - Hammer und Sichel in einem Davidsstern - als antisemitisch wahrgenommen werden konnte. Dementsprechend hat er sich in seinem Buch alle Mühe gegeben, eventuellen antisemitischen Vorwürfen von vornherein die Grundlage zu entziehen. Er widmete das Buch dem jüdischen Autor Leon Poliakov, er ließ für seine Thesen wo es nur ging jüdische Gewährsleute auftreten und legte sogar seitenlang dar, wie antinationalsozialistisch gesinnt seine Adelsfamilie gewesen war und wie vielfach sie mit Juden befreundet oder versippt war. Der Gipfel dieser hilflosen Anbiederei scheint mir auf S. 32 f. erreicht zu sein, wenn Rogalla von Bieberstein ausführt, dass ein Vetter seiner Mutter eine "halb-jüdische" Großnichte des berühmten Baron Moritz Hirsch geheiratet" hat. Dies klingt doch allzu sehr nach einer Argumentation wie: Ich kann schon deswegen kein Antisemit sein, weil der Schwiegervater einer Kusine meiner Urgroßmutter mit dem Enkel eines Rabbiners befreundet war. Ich persönlich habe den Eindruck, dass man Rogalla von Bieberstein eher christlich begründeten Philosemitismus vorwerfen muss als irgendeine Form von Antisemitismus. All dies beeinträchtigt allerdings nicht den Wert seines Werkes und es wäre vielleicht auch nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht symptomatisch den subjektiven Rechtfertigungsdruck aufzeigen würde, unter dem die meisten nichtjüdischen Deutsche, wenn sie sich zu jüdischen Fragen äußern, anscheinend zu stehen glauben scheinen.
Monday, 2 July 2007
Hirt und Herde
Hirten nennen diejenigen Herden gesegnet, deren Aberntung und Schlachtung den größten Ertrag bringt.
Das größte deutsche Genie
Wenn man den deutsch-jüdischen Philosophen Ernst Cassirer und Hermann Cohen glauben kann - und warum sollte man ihnen nicht glauben? - , dann muss bei der Frage nach dem klügsten deutschen Kopf aller Zeiten immer auch an meinen moselfränkischen Landsmann und vielfach mit mir verwandten Nikolaus von Kues gedacht werden. Dabei ist sogar noch zu bedenken, dass Cusanus in diese engste Wahl gehört, obwohl er ein zölibatärer katholischer Kardinal war, also exponierter Vertreter einer Religion und Lebensweise, die weder Cassirer, Cohen noch ich für besonders bewundernswert halten.
Tuesday, 26 June 2007
Heideggersche Marginalie
viel schrieb heidegger (martin, nicht fritz oder hermann!) vom geschick wenig von fabrik war das geschickt? immerhin war es nicht fabrikt
Das Böse
Was keine Schmerzen verursacht, kann alles sein - nur nicht böse.
Traurige Schönheit
Unglücklichsein sieht auf schönen Gesichtern am traurigsten aus.
Die besten Aphorismen
Die besten Aphorismen sind jene, die Gott in seinen schlaflosen Nächten den Engeln vorliest.
Sunday, 24 June 2007
Wehrhafte Gedanken
Was leicht unterschätzt wird: die Wildheit und der Überlebenswille verwundeter Gedanken und Ideen.
Thursday, 14 June 2007
Weltgeschichte
Ein beträchtlicher Teil der Weltgeschichte ist Weltkindergarten.
Das Buch eines Sechzehnjährigen
Eines der Bücher, die ich als Sechzehnjähriger in Prüm/Eifel las: Bruno Snells "Die Entdeckung des Geistes. Studien zur Entstehung des europäischen Denkens bei den Griechen". Dieses in Hamburg zwei Jahre vor meiner Geburt veröffentlichte Buch hat mich - meine Seele, mein Gehirn, meine Körperseele und meinen Seelenkörper - verändert: wenn auch vielleicht nur ein wenig mehr, als jedes gelesene Buch einen Menschen verändert. Es wäre geradezu mystisch-kabbalistisch schön, wenn ein Mensch, der 2009 geboren wird, eines Tages sagen kann und schreiben wird, dass ihn ein Buch, das ich im Jahr 2007 veröffentlichen werde, verändert hat.
Industrivialisierung
Die Industrivialisierung der Kultur scheint im Westen genauso so schnell Fortschritte zu machen wie im Industal. Wer bei solchen Fortschritten vorn liegt, hat keinen Grund, darauf besonders stolz zu sein, sondern macht vielmehr die größten Rückschritte.
Sunday, 10 June 2007
Gregor Samsa
Gregor Samsa ist weltberühmt, obwohl er nichts anderes geleistet hat, als scheinbar ein Ungeziefer zu werden. Menschen, die für Ungeziefer gehalten werden, haben größere Chancen, berühmt zu werden, auch wenn sie diese Prominenz weder wollen noch lange überleben.
Deutsch-chinesische Kultur
Es spricht für den hohen Wert deutscher Kultur, dass sich Deutsche anscheinend früher über chinesische Kultur Gedanken gemacht haben als Chinesen über deutsche. Sich früher Gedanken zu machen, ist immer ein Zeichen höherer Kultur.
Newer | Latest | Older
|
|
|